Taten zählen mehr als Worte!

Foto: Andi Weiland, Grafik: ZVEI

Wir wollen unsere Gesellschaft weiterentwickeln. „Digitale Teilhabe“ ist dabei ein wichtiger Begriff. Allerdings ist der Begriff, wie so oft in den Debatten um die Digitalisierung, zunächst vor allem eine Umschreibung von Erwartungen, Hoffnungen und Ideen für künftige Lösungsansätze. Diese relative Unbestimmtheit ist dabei Stärke und Schwäche zugleich. Stärke, da jeder all das hineininterpretieren kann, was aus seiner persönlichen Sicht dazugehört, um dem Begriff Leben einzuhauchen. Schwäche, weil genau diese individuellen Aneignungsprozesse auch stattfinden und sehr vieles unkonkret oder in Form von Ankündigungen verbleibt. „Digitale Teilhabe“ kann vieles sein und nichts – vor allem bleibt es bisher oft Interpretationssache.

Die Bundesregierung versteht unter Teilhabe beispielsweise die Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern in den demokratischen Prozess und in die kommunikative Willensbildung der Gesellschaft. Voraussetzung dafür ist – neben einem schnellen, möglichst günstigen und barrierefreien Netzzugang – die Verfügbarkeit von Informationen, die im vordigitalen Zeitalter nur schwer zugänglich waren. Dies ist zweifelsohne relevant und wichtig, reicht jedoch nicht aus. Auch der Zugang zu Bildung und eine umfangreiche soziale, kulturelle und ökonomische Inklusion aller Mitglieder der Gesellschaft sind notwendig. Vor diesem Hintergrund ist Teilhabe eben nicht nur eine theoretische Herausforderung, sondern eine sehr konkrete Aufgabe, die angesichts wachsender Ungleichheit in modernen Demokratien zu bewältigen ist.

Nicht jede Person hat die gleiche Sprachfähigkeit, den gleichen Bildungshintergrund, die gleichen finanziellen Mittel oder den gleichen Wohnsitz. Es gibt höchst individuelle Situationen und Lebenslagen, die individuelle Antworten erfordern. Das Ziel, eine möglichst umfassende Teilhabe aller an der Gesellschaft zu ermöglichen, muss daher mit Leben gefüllt werden. Dies gilt ganz besonders für die Teilhabe an digital geprägten Prozessen und die Befähigung, digitale Anwendungen nutzen zu können.

Damit die digitale Welt nicht zu einer weiteren Barriere wird, die gemeinsames Leben, Arbeiten und Lernen verhindert, sind folgende Dinge zentral:

  1. Sicherstellen eines gleichen grundsätzlichen Zugangs zu Informationen, Bildung und Lernprozessen, der theoretisch und ohne graduell­strukturelle Unterschiede zunächst von allen genutzt werden kann.
  2. Befähigung aller Bürgerinnen und Bürger zur Nutzung digitaler Inhalte und Werkzeuge durch Bildungs-­ und Trainingsmaßnahmen, die an die individuellen Lebenssituationen und Bedürfnisse anknüpfen.
  3. Aufsuchende Hilfe für die, die von diesem Schritt überfordert sind, um der Gefahr zu begegnen, dass Menschen abgehängt werden.

„Es geht nicht darum, von digitaler Teilhabe zu träumen. Es geht darum, sie umzusetzen.“

Diese Schablone sollte über alle digital und nicht digital geprägten Prozesse und Möglichkeiten der Teilhabe gelegt werden. Fängt man damit ernsthaft an, werden sich sehr schnell Fortschritte einstellen. Es geht nicht darum, von digitaler Teilhabe zu träumen. Es geht darum, sie umzusetzen. Das ist weder kostenneutral noch ergibt es sich von selbst. Ganz im Gegenteil ist es ein langfristiges und arbeitsintensives Unterfangen. Nimmt man Teilhabe aber ernst und definiert sie als Teil des Fortschritts, so ist dieser Schritt unumgänglich.

 

Der Beitrag wurde zuerst in Ausgabe 3/2017 des kostenlos erhältlichen AMPERE-Magazins des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI) veröffentlicht.