Rückblick: Öffentliche Veranstaltung vom DIVSI und iRights.Lab

Joachim Gauck, Bundespräsident a.D., diskutierte auf Einladung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) und dem iRights.Lab mit Expertinnen und Experten zu Vertrauen in digitale Kommunikation.

Hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft erörterten am 21. November 2017  im Berliner Von Greifswald Probleme und Lösungen zu Vertrauen in Kommunikation im digitalen Zeitalter. Unter dem gleichnamigen Titel hatte zuvor das DIVSI in Kooperation mit dem iRights.Lab eine umfangreiche Studie erarbeitet.

Joachim Gauck, Bundespräsident a.D. und DIVSI-Schirmherr, stellte in seinem einführenden Grußwort fest, dass es nach wie vor das „alt-neue Problem Sicherheit versus Nutzerfreundlichkeit oder gar Bequemlichkeit“ sei, das nach neuen Herangehensweisen von allen Beteiligten verlange und rekurrierte auf das Ergebnis der Studie. So insistierte er nachdrücklich darauf, dass sich das Vertrauen der Verbraucher nur durch das Anbieten von Produkten seitens der Wirtschaft, die zugleich bequem als auch sicher sind, erhöhen lassen würde.

In der sich anschließenden Keynote Komfort vs. Sicherheit – (K)ein Nullsummenspiel von Jutta Gurkmann, Geschäftsbereichsleiterin für Verbraucherpolitik der Verbraucherzentrale des Bundesverbandes, konstatierte diese, dass die Problematik des Vertrauensgewinns im Bereich des Digitalen vor allem temporär sei, da es Jahre dauere, Vertrauen aufzubauen, aber nur wenige Sekunden, es wieder zu zerstören. Weiterhin seien viele Unternehmen zu sorglos mit den Daten ihrer Kunden umgegangen. Es sei insbesondere wichtig, das Begriffspaar Komfort und Sicherheit nicht als unüberwindbaren Gegensatz zu betrachten. Unternehmen müssten endlich beginnen, Datenschutz und Datensicherheit nicht als Hindernis, sondern als Chance zu begreifen, um auch weiterhin als souveräne Spieler nachhaltig in einer digitalen und globalisierten Welt bestehen zu können.

Auf der abschließenden Podiumsdiskussion debattierten die folgenden Expertinnen und Experten:

  • Moderation: Geraldine de Bastion (Internat. Politikberaterin für digitale Technologien und Medien)
  • Ulf Buermeyer (Vorsitzender der Gesellschaft für Freiheitsrechte)
  • Dr. Luc Mériochaud (Head of Deutsche Bank Labs Continental and Eastern Europe)
  • Prof. Dr. Norbert Pohlmann (Professor für Informationssicherheit an der Westfälischen Hochschule)
  • Dr. Mario Rehse (Head of Public Affairs bei der United Internet AG)
  • Matthias Kammer (Direktor Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit (DIVSI))

Ulf Buermeyer machte deutlich, dass Vertrauen schon deshalb wichtig sei, da es dem Endverbraucher zeitlich unmöglich sei, nachzuprüfen, ob und in wie weit die persönlichen Daten durch die jeweiligen Kommunikationsdienste geschützt seien und somit Vertrauen nur durch ein möglichst hohes Maß an Datenschutz gebildet werden könne. Dieses Vertrauen sei auch in der Finanzbranche ein immer größerer Faktor, den es zu beachten gilt, betonte Luc Mérichaud.

Im Zuge der Vertrauensdebatte bezog sich Mario Rehse auf den NSA-Skandal von 2013 und verwies damit auf die Verantwortlichkeit staatlicher Stellen für den Vertrauensverlust der Bürger. Matthias Kammer stellte heraus, dass die Ergebnisse der von DIVSI durchgeführten Befragungen vor allem ergeben hätten, dass die Digitalisierung in der deutschen Gesellschaft als positiv wahrgenommen werde. Letztlich sei den Verbraucherinnen und Verbrauchern vor allem in Bezug auf den Austausch von wichtigen und vertrauensvollen Informationen und Daten wichtig, weiterhin die Wahl zwischen einer digitalen und analogen Übermittlung dieser beanspruchen zu können. Staatliche Maßnahmen seien, so Buermeyer, nur dann ein Lösungsansatz, wenn sich den Unternehmen einhergehend mit der permanenten Verbesserung ihrer IT-System-Sicherheit auch ein ökonomischer Anreiz böte, der sich wiederum innerhalb des staatlichen Ordnungssystems ermöglichen ließe.

Abschließend herrschte Konsens darüber, dass die Beantwortung der Frage nach mehr Vertrauen und Sicherheit im digitalen Zeitalter nur durch die Kooperation aller beteiligten Akteure ermöglicht werden könne und somit Wirtschaft, Politik, aber auch die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Verantwortung stünden, gemeinsam neue Wege für ein gesteigertes Vertrauen zu bestreiten.

 

Einzelinterviews

Geraldine de Bastion

Prof. Dr. Norbert Pohlmann

Dr. Mario Rehse

Ulf Buermeyer

Philipp Otto

Jutta Gurkmann

Dr. Luc Mériochaud