Part­ner­pro­jekt: Die neuen Ver­brau­cher

© Andi Weiland

Das Pro­jekt „Die neuen Ver­brau­cher“ nimmt die Bedürf­nis­se von Geflüch­te­ten als Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher in Deutsch­land in den Blick. In enger Zusam­men­ar­beit mit der Ziel­grup­pe wer­den Erkennt­nis­se dazu gesam­melt, wie digi­ta­le Infor­ma­ti­ons- und Hilfs­an­ge­bo­te anwen­dungs­freund­li­cher und nütz­li­cher gestal­tet wer­den kön­nen.

Geflüch­te­te sehen sich mit vie­len Her­aus­for­de­run­gen kon­fron­tiert. Neben den Kom­ple­xi­tä­ten des Asyl­ver­fah­rens und dem Zurecht­kom­men in einer neuen Umge­bung sind es vor allem die Situa­tio­nen, in denen sie als Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher auf­tre­ten, die sich als schwie­rig erwei­sen. Hier gibt es eine Lücke zwi­schen Erwar­tung und Anspruch einer­seits und den all­täg­li­chen Hand­lun­gen ande­rer­seits. Vor allem sprach­li­che Bar­rie­ren erschwe­ren sol­che Umstän­de, in denen Geflüch­te­te zum Bei­spiel ein­kau­fen, ein eige­nes Konto eröff­nen, sich für eine Kran­ken­ver­si­che­rung oder einen neuen Han­dy­ver­trag ent­schei­den.

Es ist des­halb wich­tig, Geflüch­te­te im Hin­blick auf den Ver­brau­cher­schutz als eine eige­ne Ziel­grup­pe zu ver­ste­hen. Als sol­che benö­ti­gen sie spe­zi­ell auf sie zuge­schnit­te­ne Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te. Das Pro­jekt „Die neuen Ver­brau­cher“ ermit­telt gemein­sam mit digi­tal affi­nen Geflüch­te­ten mit guter Blei­be­per­spek­ti­ve, was ziel­grup­pen­spe­zi­fi­schen Ver­brau­cher­schutz aus­macht und wie die bestehen­den Bedürf­nis­se erfüllt wer­den kön­nen.

Die bis­he­ri­gen Erfah­run­gen haben gezeigt, dass Geflüch­te­te in Ver­brau­cher­si­tua­tio­nen unter Umstän­den schlech­te Ent­schei­dun­gen tref­fen, weil sie über ihre Rech­te und Pflich­ten beim Ein­kauf oder bei der Unter­zeich­nung von Ver­trä­gen nicht oder nicht aus­rei­chend infor­miert sind. Dar­über hin­aus sind Ver­trä­ge und Geschäfts­be­din­gun­gen häu­fig nur auf Deutsch ver­füg­bar und für Geflüch­te­te kaum ver­ständ­lich. Im Mit­tel­punkt des Pro­jek­tes ste­hen digi­tal ver­füg­ba­re Ver­brau­cher­infor­ma­tio­nen, da Geflüch­te­te meist über ihre Smart­pho­nes online nach spe­zi­fi­schen Infor­ma­tio­nen suchen.

Erkennt­nis­se sam­meln

Das Pro­jekt umfasst eine Viel­zahl von Maß­nah­men, die auf­ein­an­der auf­bau­en: Die Durch­füh­rung eines Map­pings stellt im ers­ten Schritt sicher, dass der Groß­teil der schon vor­han­de­nen Ver­brau­cher­an­ge­bo­te für Geflüch­te­te erfasst und anhand von defi­nier­ten Para­me­tern bewer­tet wer­den. Der Pra­xis-Check gibt Auf­schluss über die lokal, sozi­al und struk­tu­rell unter­schied­li­chen Erfah­run­gen von Men­schen, die mit Geflüch­te­ten in der Ver­brau­cher­auf­klä­rung arbei­ten und den tat­säch­lich genutz­ten Ange­bo­ten. Im Rah­men von Ein­zel- und Grup­pen­in­ter­views mit Geflüch­te­ten wer­den dar­auf auf­bau­end kon­kre­te Bedürf­nis­se noch ein­mal veri­fi­ziert – mit dem Ziel, ein mög­lichst genau­es Bild davon zu erhal­ten, wel­che Ver­brau­cher­infor­ma­tio­nen wirk­lich benö­tigt wer­den. Zudem erfolgt im Rah­men von soge­nann­ten Living Labs eine pra­xis­na­he Aus­ein­an­der­set­zung mit ver­brau­cher­rele­van­ten The­men: Hier prü­fen Geflüch­te­te unter ande­rem, wie digi­ta­le Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te so gestal­tet wer­den kön­nen, dass sie die im All­tag auf­kom­men­den Fra­gen noch bes­ser beant­wor­ten. Ein par­ti­zi­pa­to­ri­scher Ansatz wird mit einer Grup­pe von zehn digi­tal affi­nen Geflüch­te­ten ver­folgt, die als All­tags­bot­schaf­te­rin­nen und All­tags­bot­schaf­ter das Pro­jekt kon­ti­nu­ier­lich und aktiv beglei­ten. Sie tra­gen in ers­ter Linie die im Pro­jekt erar­bei­te­ten Erkennt­nis­se in die eige­nen Com­mu­nities zurück und wir­ken so als Mul­ti­pli­ka­to­rin­nen und Mul­ti­pli­ka­to­ren. Gleich­zei­tig spie­geln sie dem Pro­jekt­team ver­brau­cher­rele­van­te Pro­ble­me, die an sie her­an­ge­tra­gen wer­den.

Die Grup­pe der All­tags­bot­schaf­te­rin­nen und All­tags­bot­schaf­ter, die sich in Zusam­men­ar­beit mit iRights e.V. in die­sem Jahr das Thema Ver­brau­cher­schutz anschau­en. Auf diver­sen Work­shops wird gemein­sam ana­ly­siert, wel­che Infor­ma­tio­nen Geflüch­te­te zum Thema benö­ti­gen und wie diese digi­tal bereit­ge­stellt wer­den kön­nen.
Foto: Andi Wei­land

Ergeb­nis­se zugäng­lich machen

Eine teil-vir­tu­el­le Road­show unter­stützt das Vor­ha­ben, die in den zuvor beschrie­be­nen Maß­nah­men erar­bei­te­ten Infor­ma­tio­nen in die Flä­che zu tra­gen: Dafür wer­den gezielt Orga­ni­sa­tio­nen ange­spro­chen, um sie gemein­sam mit den All­tags­bot­schaf­te­rin­nen und All­tags­bot­schaf­tern on- und off­line über Zwi­schen­er­geb­nis­se des Pro­jek­tes zu infor­mie­ren. Das Feed­back fließt in die abschlie­ßen­de Doku­men­ta­ti­on ein. Die­ser Pro­jekt­be­richt in Form eines Pra­xis­leit­fa­dens trägt schließ­lich sämt­li­che Erkennt­nis­se zusam­men und for­mu­liert dar­auf auf­bau­end Pra­xis­tipps, wie ein guter und sinn­vol­ler digi­ta­ler Ver­brau­cher­schutz für Geflüch­te­te mit guter Blei­be­per­spek­ti­ve aus­se­hen kann.

Die Ergeb­nis­se die­ser Arbeit wur­den am 19. Juni 2018, 18 Uhr, im Rah­men der öffent­li­chen Ver­an­stal­tung „Zukunft gemein­sam digi­tal gestal­ten“ in Ber­lin vor­ge­stellt und dis­ku­tiert.
Mehr dazu erfah­ren Sie hier.

Das Pro­jekt „Die neuen Ver­brau­cher“ läuft bis ein­schließ­lich Juni 2018 und wird im Auf­trag des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Jus­tiz und für Ver­brau­cher­schutz vom gemein­nüt­zi­gen iRights e.V. durch­ge­führt.

Kon­takt:
iRights e.V.
Pro­jekt „Die neuen Ver­brau­cher“
Alm­stadt­str. 9/11
10119 Ber­lin

neueverbraucher@irights.info