iRights.Lab kuratiert Veranstaltungsreihe zur Digitalisierung in China

Zwischen China und „dem Westen“ gibt es viele Unterschiede. Gilt das auch für die Digitalisierung? Was können wir voneinander lernen? Diesen Fragen widmete sich die Veranstaltungsreihe „Perspektiven des digitalen Wandels“, die das Goethe-Institut China und das iRights.Lab organisiert haben.

Was die Digitalisierung betrifft, stehen praktisch alle Länder vor denselben Herausforderungen: Breitbandausbau, Veränderungen in der Arbeitswelt, Rechtsverletzungen im Internet etc. Gemeinsam mit dem Goethe Institut hat das iRights.Lab eine breite Diskussion angeregt, um zu identifizieren, welche Lebensbereiche besonders beeinflusst werden und worin die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede zwischen China und Deutschland beziehungsweise Europa bestehen.

Wie die Digitalisierung den Menschen beeinflusst

Alle Veranstaltungen der Reihe „Perspektiven des digitalen Wandels“ fanden in Peking im spannenden Künstlerviertel „Bezirk 798“ statt. Den Auftakt machte am 6. November 2015 die Veranstaltung „Unsere digitale Persönlichkeit im Netz“. Ausgehend von der Tatsache, dass inzwischen fast jeder ein Smartphone besitzt und zahlreiche Online-Dienste nutzt, gingen die Referenten der Frage nach, welchen Einfluss dies auf unsere Persönlichkeit hat. Ändert sich unser Kommunikationsverhalten? Welche Spuren hinterlassen wir im Netz? Brauchen wir gemeinsame Regeln im Internet? Es diskutierten Prof. Dr. Christian Hoffmann (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig), Kaiser Kuo (ehemaliger Direktor für internationale Kommunikation beim chinesischen Suchmaschinenanbieter Baidu), Alex Chen (Mitgründer und Direktor von Cakeshop Consulting) und Felix Lee (China-Korrespondent in Peking für „taz“, „Zeit Online“, Funke Mediengruppe etc.).

Definitiv kreativ und innovativ

Weiter ging es am 12. März 2016 unter dem Titel „Innovation und Kreativität im digitalen Zeitalter“. Zuerst führte Eduardo Navas (Künstler, Kurator, Autor zu „Remix-Theorie“, Dozent am Institut für visuelle Kunst der Pennsylvania State University, USA) die anwesenden Gäste anschaulich in die Remix-Kultur ein. Daran anknüpfend verdeutlichte Dr. Till Kreutzer (u.a. Partner der Rechtsanwaltskanzlei iRights.Law und Of-Counsel beim iRights.Lab) den gesellschaftlichen Nutzen digitaler Kreativität. Im Anschluss sprachen Prof. Hu Yong (Institut für Journalismus und Kommunikation der Peking Universität, Medienkritiker und Internetpionier) und Jongsoo Yoon (Leiter Creative Commons Korea) über die Entwicklung digitaler Kreativität in China und Korea. Nach mehreren kreativen Inputs verschiedener chinesischer Künstlerinnen und Künstler diskutierten die Referenten die Frage, wie digitale Innovationen und Kreativität den Alltag und die Gesellschaft verändern.

Digitalpolitik hüben und drüben

Um mehr darüber zu erfahren, wie die Politik den Herausforderungen der Digitalisierung gegenübertritt, thematisierte die dritte Veranstaltung am 24. und 25. September 2016 die „Digitale Agenda in Deutschland und China“. Welche Unterschiede, aber auch welche Gemeinsamkeiten lassen sich hier finden? Dazu wurde von Dr. Zhou Peng (Leitender Ingenieur am Electronic Technology Information Research Institute des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie), Prof. Dr. Shi Shiwei (University of International Business and Economics in Peking) und Fan Huiwen (Vizepräsident des China Center for Information Industry Development) die chinesische Digitalagenda aus Sicht der Think Tanks, Wissenschaft und Regierung dargestellt. Anschließend schilderte Philipp Otto, Founder & Executive Director des iRights.Lab, im Alleingang umfassend den Stand der Digitalen Agenda in Deutschland.

Die anschließenden Inputs zu den Themen Arbeit 4.0 sowie Open Data aus deutscher und chinesischer Sicht kamen zum einen von Dr. Max Neufeind (Referent in der Grundsatzabteilung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales) sowie Prof. Jack Qiu (School of Journalism and Communication der Chinese University of Hong Kong) und zum anderen von Julia Kloiber (Projektleiterin bei der Open Knowledge Foundation) sowie Prof. Zheng Lei (School of International Relations & Public Affairs der Fudan University).

Am zweiten Veranstaltungstag wurde zuerst der Film „iPhoneChina“ vorgeführt und anschließend unter Anwesenheit des Filmemachers Christian von Borries ausgiebig diskutiert. Der Film konfrontiert die Zuschauerinnen und Zuschauer mit der Systemfrage: „Stellen wir uns vor, Apple wäre ein Staat – würde man lieber in Apple oder lieber in China leben?”

Mit künstlicher Intelligenz in die digitale Zukunft?

Den Abschluss bildete die Veranstaltung vom 11. März 2017 zur Frage „Unsere digitale Zukunft – Wie wollen wir leben?“ Nachdem Dr. Sandra Wachter (Postdoctoral Researcher am Oxford Internet Institute) die Gäste auf eine Reise in eine ethisch wünschenswerte Zukunft mitgenommen hatte, widmete sich Prof. Dr. Jie Yin (Dongnan Universität in Nanjing) dem Einfluss künstlicher Intelligenz auf unser Leben. Daran anknüpfend weihte Prof. Sun Fuchun (Tsinghua Universität in Peking) die Anwesenden in den Entwicklungsstand von künstlicher Intelligenz in China ein. Nach dem anschließenden Ausblick auf unsere digitale Zukunft durch Julia Manske (Projektmanagerin der Stiftung Neue Verantwortung in Berlin) und weiteren Inputs aus der Praxis versammelten sich die Referierenden zu einer abschließenden Podiumsdiskussion.

Internationale Kooperation ist entscheidend

Die Veranstaltungsreihe „Perspektiven des digitalen Wandels“ hat uns in unserem Ansatz bestätigt, über den Tellerrand zu schauen. Nicht nur die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben interessante Einblicke erhalten und neue Kenntnisse sammeln können, sondern auch wir. Deshalb sieht sich das iRights.Lab bestärkt darin, in Zukunft weiterhin eng mit unseren weltweiten Partnern zusammenarbeiten.