Unsicht­ba­re Stim­men – Warum User*innen den Online-Dis­kurs verlassen

Neuer Forschungsmonitor Informationsintermediäre erschienen

Im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW erstellt der Think Tank iRights.Lab regelmäßig einen Forschungsmonitor zum Thema Informationsintermediäre. Nun ist die siebte Ausgabe unter dem Titel „Unsichtbare Stimmen – Ausschluss und Rückzug aus Online-Diskursen“ erschienen.

Die Coro­na-Krise hat ein­drück­lich gezeigt, dass fal­sche und irre­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen, Hass und Pola­ri­sie­rung in den Online-Kanä­len einen zuneh­mend gro­ßen Teil der Kom­mu­ni­ka­ti­on ausmachen. 

Der neue For­schungs­mo­ni­tor bringt dazu auf­schluss­rei­che Insights hervor. 

Wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie haben Mes­sen­ger-Diens­te wie Tele­gram, Whats­App und Co. wei­te­ren Zulauf erhal­ten. Damit ver­la­gern sich Des­in­for­ma­ti­on, Ver­schwö­rungs­theo­rien und Hass von (halb-)öffentlich zugäng­li­chen Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­ren hin­ein in pri­va­te Grup­pen­chats. Die­ses Phä­no­men nennt sich Deplat­forming: Per­so­nen, die in klas­si­schen sozia­len Medi­en gegen gel­ten­des Recht oder die Platt­form­re­geln ver­sto­ßen und des­halb aus­ge­schlos­sen wer­den, zie­hen zu alter­na­ti­ven Netz­wer­ken oder Mes­sen­gern um. Medi­en­be­rich­te über den Aus­schluss ver­hel­fen die­sen Per­so­nen und Grup­pen zunächst zu mehr Auf­merk­sam­keit. Sie selbst insze­nie­ren sich wäh­rend­des­sen häu­fig als Opfer angeb­lich man­geln­der Mei­nungs­frei­heit auf eta­blier­ten sozia­len Plattformen. 

Ein wei­te­rer Punkt der aktu­el­len For­schung zeigt aber auch: In pri­va­ten Grup­pen bei Mes­sen­ger­diens­ten wie Whats­Appoder dem Face­book Mes­sen­ger fin­den Kor­rek­tu­ren durch Nutzer*innen ten­den­zi­ell häu­fi­ger statt als in (halb-)öffentlichen sozia­len Netz­wer­ken. Fal­sche Infor­ma­tio­nen blei­ben dort oft nicht unbe­merkt und diese als geschützt emp­fun­de­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­räu­me tra­gen eher zu Kor­rek­tu­ren bei. Das bedeu­tet: Viele Nutzer*innen trau­en sich nicht, sich öffent­lich frei zu äußern.

Dabei zeigt die For­schung, dass Coun­ter Speech – unter bestimm­ten Bedin­gun­gen – dazu bei­tra­gen kann, Dis­kur­se zu depo­la­ri­sie­ren und das Mei­nungs­spek­trum zu erweitern. 

Der For­schungs­mo­ni­tor fasst in die­ser Aus­ga­be nicht nur For­schung zur Pro­ble­ma­tik, son­dern auch zu Begeg­nungs­an­sät­zen in Zusam­men­hang mit der Infor­ma­ti­ons­la­ge und Mei­nungs­bil­dung zusam­men. Zen­tra­le The­men sind dabei Trans­pa­renz und Nach­voll­zieh­bar­keit. Zusätz­lich sind alter­na­ti­ve am Gemein­wohl ori­en­tier­te Ange­bo­te und Daten­schutz sei­tens der Platt­form­an­bie­ter wich­tig. Dies soll­te sich laut For­schung unter ande­rem in ent­spre­chen­den Regu­lie­run­gen wider­spie­geln. Denn die Anbie­ter allei­ne kön­nen die­sen Ent­wick­lun­gen nicht begeg­nen. Viel­mehr ist das eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be, die eben­falls brei­te Ansät­ze und eine geöff­ne­te Debat­te not­wen­dig macht. 

Nicht zuletzt zeigt der For­schungs­mo­ni­tor: Der Blick der Wis­sen­schaft wei­tet sich zuneh­mend. Denn die Dis­kur­se online fol­gen zen­tra­len gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen. Dazu zäh­len Natio­na­lis­mus, Ras­sis­mus und Sexis­mus. Online erhal­ten sie neue Spiel­re­geln und Aus­prä­gungs­for­men. Das wie­der­um strahlt zurück in die Debat­ten – auch in sol­che fern­ab der Onlinekommunikationsräume. 

Die gesam­te Aus­ga­be des For­schungs­mo­ni­tors fin­den Sie hier zum Down­load. Alle wei­te­ren Aus­ga­ben sowie mehr Infor­ma­tio­nen zum For­schungs­mo­ni­tor fin­den Sie hier.

Der For­schungs­mo­ni­tor Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re im Auf­trag der Lan­des­an­stalt für Medi­en NRW erscheint alle vier Mona­te. Im digi­ta­len Raum sind Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re zwi­schen Rezipient*in und Infor­ma­ti­on geschal­tet. Sie erfül­len eine ver­mit­teln­de Funk­ti­on, indem sie per­so­na­li­sier­te Ange­bo­te für Nutzer*innen schaf­fen, die für die all­ge­mei­ne Öffent­lich­keit nicht ein­seh­bar sind, kura­tie­ren algo­rith­mi­sche Sys­te­me die media­le Wirk­lich­keit online.

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