DIEBLACK BOX SOCIE­TYUND DER RUF DER WIS­SEN­SCHAFT NACH AUF­KLÄ­RUNG

Der „For­schungs­mo­ni­tor Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re“ wird im Auf­trag der Lan­des­an­stalt für Medi­en NRW erstellt und durch den unab­hän­gi­gen Think Tank iRights.Lab erar­bei­tet: zum PDF.

VOLL­TEXT

For­schungs­mo­ni­tor Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re

Aus­ga­be 1: Okto­ber 2018

EIN­FÜH­RUNG UND ÜBER­BLICK
DIEBLACK BOX SOCIE­TYUND DER RUF DER WIS­SEN­SCHAFT NACH AUF­KLÄ­RUNG

Über die Algo­rith­men, denen wir jeden Tag begeg­nen, ist nur wenig bekannt. Trotz­dem sind sie es, die unse­re jewei­li­ge media­le Wirk­lich­keit kura­tie­ren. Die Grund­la­ge bil­den dabei gesam­mel­te Daten der Nut­ze­rin­nen und Nut­zer. Mit ihrer Hilfe bestim­men die Algo­rith­men etwa, was auf die indi­vi­dua­li­sier­ten Ergeb­nis­sei­ten der Such­ma­schi­nen gehört und gestal­ten die jewei­li­gen News Feeds der Soci­al-Media-Pro­fi­le. Dabei selek­tie­ren sie nach unbe­kann­ten Mecha­nis­men: Sie wäh­len nicht nach Rele­vanz für die Öffent­lich­keit, son­dern ande­ren Kri­te­ri­en. Sol­che Anwen­dun­gen wer­den nach­fol­gend als Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re bezeich­net, denn sie sind im digi­ta­len Raum viel­fach zwi­schen Rezi­pi­en­tin bzw. Rezi­pi­ent und Infor­ma­ti­on geschal­tet. Die gesam­mel­te Daten und Algo­rith­men sind dabei Kern­be­stand­tei­le von Geschäfts­mo­del­len und den dar­aus fol­gen­den Macht­gleich- und Ungleich­ge­wich­ten ein­zel­ner Anbie­ter oder Sys­te­me. Die oft­mals unbe­kann­ten Algo­rith­men erschwe­ren es der Öffent­lich­keit wie auch der Wis­sen­schaft, die Aus­wir­kun­gen die­ser Macht auf die öffent­li­che Mei­nungs­bil­dung genau­er zu erfas­sen. Dass sie macht­voll sind, scheint jedoch all­tags­theo­re­tisch wie wis­sen­schaft­lich unum­strit­ten. Ähn­li­ches gilt für die Beob­ach­tung, dass der Jour­na­lis­mus hin­sicht­lich sei­ner Arbeits­wei­se und sei­ner Glaub­wür­dig­keit Ver­än­de­run­gen durch­lebt und sich der öffent­li­che Dis­kurs im Digi­ta­len anders gestal­tet als im Ana­lo­gen. Er ist häu­fig geprägt von Ent­hem­mung und Pola­ri­sie­rung. Das hat viele Ursa­chen, bei­spiels­wei­se kön­nen soge­nann­te Mei­nungs-Bots in sozia­len Netz­wer­ken mensch­li­che Iden­ti­tät vor­täu­schen und Stim­mun­gen in sozia­len Netz­wer­ken gezielt in eine Rich­tung beein ussen. Aber auch die wach­sen­de Masse der zu ver­ar­bei­ten­den Infor­ma­tio­nen, denen jede bzw. jeder täg­lich aus­ge­setzt ist, sorgt für eine Ver­än­de­rung media­ler Kom­mu­ni­ka­ti­on: Die Spra­che wird zuneh­mend bild­li­cher und emo­tio­na­ler – ein Ver­such aus der Masse her­aus­zu­ste­chen. Zugleich bestehen in Zei­ten des Soci­al Webs zahl­rei­che Mög­lich­kei­ten, direkt auf Ver­öf­fent­li­chun­gen zu reagie­ren und den eige­nen emo­tio­na­len Impuls – etwa auf eine pola­ri­sie­ren­de Über­schrift – sofort zu publi­zie­ren, wäh­rend es dabei nicht not­wen­dig ist, einem Gegen­über in die Augen zu sehen und sich des­sen Reak­ti­on aus­zu­set­zen (in der wis­sen­schaft­li­chen Lite­ra­tur wird dies als „Online Dis­in­hi­bi­ti­on Effect“¹ bezeich­net). So resul­tiert aus empi­ri­schen Unter­su­chun­gen und wis­sen­schafts­theo­re­ti­schen Betrach­tun­gen in die­sem Zusam­men­hang häu­fig die For­de­rung nach Auf­klä­rung und zum Teil auch Regu­lie­rung. Doch wer soll auf­klä­ren, wenn die klas­si­schen Mas­sen­me­di­en die Mas­sen nur noch schwer errei­chen? Wenn das Ver­trau­en der Rezi­pi­en­tin­nen und Rezi­pi­en­ten in jour­na­lis­ti­sche Arbeit irgend­wo in den Wei­ten des Webs ver­lo­ren zu gehen droht?

Es bleibt zu klä­ren, wel­che Rele­vanz diese Ent­wick­lun­gen in Zusam­men­hang mit den zuneh­mend bedeut­sa­mer wer­den­den Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­ren haben, die ihre Algo­rith­men schüt­zen und damit Intrans­pa­ren­zen in der öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dung erschaf­fen. Die­sen Fra­gen und Zusam­men­hän­gen wid­met sich der „For­schungs­mo­ni­tor Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re“, indem er einen Über­blick über aktu­el­le wis­sen­schaft­li­che Ver­öf­fent­li­chun­gen, lau­fen­de For­schungs­pro­jek­te und kom­men­de Ver­an­stal­tun­gen im skiz­zier­ten The­men­feld ver­schafft. Zur tie­fer­ge­hen­den Aus­ein­an­der­set­zung mit den auf­ge­grif­fe­nen Aspek­ten ste­hen Links zu den Quel­len und ggf. wei­te­ren Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung.

I. NEUE VER­ÖF­FENT­LI­CHUN­GEN


INSIGHT 1: Zwi­schen Kom­mu­ni­ka­tor uns Rezi­pi­ent ver­steckt sich der Algo­rith­mus

Das Kom­pe­tenz­zen­trum Öffent­li­che IT – eine Initia­ti­ve von Fraun­ho­fer Fokus, geför­dert durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern – publi­zier­te im Juni 2018 den Sam­mel­band „(Un)berechenbar? Algo­rith­men und Auto­ma­ti­sie­rung in Staat und Gesell­schaft“.

In 24 Bei­trä­gen ver­eint die Publi­ka­ti­on einer­seits Erkennt­nis­se von Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern deut­scher Uni­ver­si­tä­ten und ande­rer For­schungs­ein­rich­tun­gen zur Algo­rith­mi­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung sowie deren Aus­wir­kun­gen. Ande­rer­seits führt sie Posi­tio­nen und The­sen von Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­kern zum Thema zusam­men. Ins­be­son­de­re im Kapi­tel „Her­aus­for­de­run­gen von Algo­rith­men in media­len Öffent­lich­kei­ten“ (S. 315 – 439) wird die Bedeu­tung von Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­ren the­ma­ti­siert: Sie begren­zen Kom­mu­ni­ka­ti­on, Infor­ma­ti­ons- und Mei­nungs­frei­heit und kön­nen sie zugleich beflü­geln (Stich­wort Fake News).

TAKEA­WAYS:

(1) Such­ma­schi­nen und sozia­le Medi­en beein ussen einer­seits die Infor­ma­ti­ons­ba­sis der Nut­ze­rin­nen und Nut­zer sowie ande­rer­seits deren Kom­mu­ni­ka­ti­on selbst. Damit gewin­nen sie an Mei­nungs­macht. Diese Beein­flus­sung läuft ent­ge­gen der nor­ma­ti­ven Anfor­de­run­gen an demo­kra­ti­sche und gesell­schaft­li­che Deli­be­ra­ti­on.

(2) Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re struk­tu­rie­ren Öffent­lich­keit. Nach wel­chen Rele­vanz­kri­te­ri­en sie Infor­ma­tio­nen struk­tu­rie­ren, bleibt dabei weit­ge­hend unklar. Sie ver­än­dern sich zudem stän­dig. Bei­des erschwert die wis- sen­schaft­li­che Erfor­schung, die jedoch not­wen­dig für eine sach- und lösungs­ori­en­tier­te Debat­te ist.

(3) Bis­he­ri­ge recht­li­che Regu­lie­rungs­ver­su­che füh­ren bis­lang eher zu Zen­su­ren als zu demo­kra­ti­scher gestal­te­ten Infor­ma­ti­ons­pro­zes­sen. Diese Zen­su­ren erfol­gen durch die jeweils ver­ant­wort­li­chen Unter­neh­men und die­nen als Vor­sichts­maß­nah­men, um kei­nes­falls gegen die recht­li­chen Regu­lie­rungs­ver­su­che zu ver­sto­ßen.

FORM: theo­re­ti­sche Abhand­lung
DISZIPLIN(EN): Poli­tik, Sozio­lo­gie, Medi­en­wis­sen­schaft, Recht
THE­MEN: Algo­rith­men, demo­kra­ti­sche Deli­be­ra­ti­on, infor­ma­tio­nel­le Pfad­ab­hän­gig­keit, digi­ta­le Öffent­lich­keit, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­frei­heit, Infor­ma­ti­ons­ver­mitt­lung, Mei­nungs­macht

Quelle(n):
Mohab­bat R. et al./Kompetenzzentrum Öffent­li­che IT (Hg.): (Un)berechenbar? Algo­rith­men und Auto­ma­ti­sie­rung in Staat und Gesell­schaft. Ber­lin, 2018. Online unter: https://www.oeffentliche-it.de/documents/10181/76866/ %28Un%29berechenbar+-+Algorithmen+und+Automatisierung+in+Staat+und+Gesellschaft.pdf (07.09.2018).

Wei­ter­füh­ren­de Links:
Kom­pe­tenz­zen­trum Öffent­li­che IT: https://www.oeffentliche-it.de

INSIGHT 2: Nach­rich­ten­me­di­en im Span­nungs­feld zwi­schen Möglich­keit und Abhängig­keit

In der eng­lisch­spra­chi­gen Stu­die „Dealing with digi­tal inter­me­dia­ries: A case study of the rela­ti­ons bet­ween publishers and plat­forms“ unter­su­chen Ras­mus Kleis Niel­sen und Sarah Anne Gan­ter von der Uni­ver­si­ty of Oxford das Ver­hält­nis zwi­schen ver­öf­fent­li­chen­den Nach­rich­ten­me­di­en und Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­ren.

Sie argu­men­tie­ren, dass ein Span­nungs­feld ent­steht: zwi­schen den kurz­fris­ti­gen ope­ra­ti­ven Mög­lich­kei­ten auf der einen Seite und der Beun­ru­hi­gung bezüg­lich einer lang­fris­tig zu star­ken Abhän­gig­keit von die­sen Platt­for­men auf der ande­ren Seite. Es ent­wi­ckelt sich eine Asym­me­trie, gekenn­zeich­net durch den Ver­lust der weit­ge­hen­den Unab­hän­gig­keit, die sich Nach­rich­ten­me­di­en im 20. Jahr­hun­dert erkämpft hat­ten. Über qua­li­ta­ti­ve Inter­views mit Beschäf­tig­ten in der Nach­rich­ten­bran­che unter­such­ten die Autorin­nen und Autoren, wie sich Medi­en­un­ter­neh­men an die neuen Bedin­gun­gen anpas­sen, die durch mäch­ti­ge Inter­me­diä­re wie Goog­le oder Face­book dik­tiert wer­den.

TAKEA­WAYS:

(1) Die Ver­än­de­rung der Infor­ma­ti­ons- und Medi­en­um­welt durch Inter­me­diä­re gibt Nach­rich­ten­me­di­en zunächst die Mög­lich­keit, ihre Inhal­te brei­ter zu streu­en, also poten­ti­ell mehr Rezi­pi­en­tin­nen und Rezi­pi­en­ten zu errei­chen, was als Mehr­wert ange­se­hen wer­den kann.
(2) Jedoch bleibt unklar, wel­che Mecha­nis­men und Kri­te­ri­en die Inter­me­diä­re dabei zugrun­de legen und wel­chen Ver­än­de­run­gen diese unter­lie­gen. Das schürt unter den Inter­view­ten die Angst, ihre redak­tio­nel­le Eigen­stän­dig­keit und Iden­ti­tät zu ver­lie­ren sowie abhän­gig von den Ent­schei­dun­gen gro­ßer Unter­neh­men zu sein, deren Aus­wir­kun­gen sie nicht abschät­zen kön­nen.
(3) Große, vor­mals unab­hän­gi­ge Medi­en­un­ter­neh­men unter­lie­gen damit der Macht eini­ger weni­ger Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re, wor­aus sich eine neue Ära der Abhän­gig­keit ergibt – in der wis­sen­schaft­li­chen Lite­ra­tur auch als „plat­for­med socia­li­ty“ oder „black box socie­ty“ bekannt.

FORM: Fall­stu­die
DIS­ZI­PLIN: Jour­na­lis­tik, Medi­en­wis­sen­schaft, Sozio­lo­gie
THE­MEN: Nach­rich­ten, Jour­na­lis­mus, „black box socie­ty“, Abhän­gig­keit, Algo­rith­men Unsi­cher­heit, Hoff­nung vs. Angst

Quelle(n):
Kleis Niel­sen R. / Gan­ter S.: Dealing with digi­tal inter­me­dia­ries: A case study of the rela­ti­ons bet­ween publishers and plat­forms. In: New Media & Socie­ty, Vol. 20(4), S. 1600–1617, 2018. Online unter: http://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1177/146144481770131 (07.09.2018).

INSIGHT 3: Wenn Erwar­tun­gen auf die Rea­lität tref­fen 

Für die Kon­rad Ade­nau­er Stif­tung nimmt der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­ler Chris­toph Neu­ber­ger in einer Stu­die die Mei­nungs­macht von Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­ren in den Blick. Dabei bezieht er die gesell­schaft­li­chen Erwar­tun­gen an die Inter­net­öf­fent­lich­keit mit ein.

Ziel ist es, mit der Stu­die „Was erwar­tet die Gesell­schaft vom Inter­net – und was erhält sie?“ einen Bei­trag zum Trans­fer wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se zu leis­ten sowie rele­van­te For­schungs­er­geb­nis­se ver­ständ­lich und kom­pakt auf­zu­be­rei­ten. Der Empi­rie wer­den fol­gen­de gesell­schaft­li­che Erwar­tun­gen an die Öffent­lich­keit gegen­über­ge­stellt: Frei­heit, Gleich­heit, Viel­falt, Macht­ver­tei­lung, Inte­gra­ti­on, Infor­ma­ti­ons- und Dis­kurs­qua­li­tät sowie Sicher­heit. Am Ende ste­hen Hand­lungs­emp­feh­lun­gen, die sich aus die­sen Gegen­über­stel­lun­gen erge­ben.

TAKEA­WAYS:

(1) Dass die Inter­net­öf­fent­lich­keit durch unbe­schränk­te Frei­heit gekenn­zeich­net ist, zeigt sich als Cyberut­opie, denn die Hoff­nung auf eine brei­ter ver­teil­te Mei­nungs­macht kann als nicht erfüllt ange­se­hen wer­den. Zugleich ver­lie­ren die klas­si­schen Mas­sen­me­di­en trotz der Mög­lich­keit einer poten­ti­ell brei­te­ren Streu­ung ihrer Inhal­te ihre Gate­kee­per-Funk­ti­on. Damit erle­ben sie einen Macht­ver­lust im Pro­zess der öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dung.
(2) Die Frage nach der (Des-)Integration von Öffent­lich­keit im Inter­net lässt sich der­zeit nur schwer beant­wor­ten, da Phä­no­me­ne wie Echo­kam­mern und Fil­ter­bla­sen noch nicht aus­rei­chend empi­risch erforscht sind.
(3) Der pro­fes­sio­nel­le Jour­na­lis­mus befin­det sich in einer Krise und damit auch die Infor­ma­ti­ons­qua­li­tät. Die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer bevor­zu­gen der­zeit noch die Web­sei­ten der tra­di­tio­nel­len Mas­sen­me­di­en, jedoch gewinnt Soci­al Media bezüg­lich poli­ti­scher Infor­ma­tio­nen und Nach­rich­ten zuneh­mend an Bedeu­tung. Der öffent­li­che Dis­kurs im Digi­ta­len ist durch Ent­hem­mung, Mei­nungs­ver­stär­kung und Pola­ri­sie­rung geprägt. Zusätz­lich kön­nen künf­tig Soci­al Bots das Mei­nungs­kli­ma mani­pu­lie­ren.

FORM: Lite­ra­tur­ana­ly­se
DIS­ZI­PLIN: Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft, Medi­en­wis­sen­schaft, Sozio­lo­gie
THE­MEN: Fake News, Fil­ter­bla­sen, Soci­al Bots, Nach­rich­ten, Medi­en­kom­pe­tenz, Algo­rith­men

Quelle(n):
Kon­rad Ade­nau­er Stif­tung e.V. (Hg.): Was erwar­tet die Gesell­schaft vom Inter­net – und was erhält sie? Ein nor­ma­ti­ver Kom­pass für Gestal­tung und Regu­lie­rung. Sankt Augus­tin; Ber­lin, 2018. Online unter: http://www.kas.de/wf/doc/kas_52160-544–1-30.pdf?180419114345 (07.09.2018).

INSIGHT 4: Was wir über die Welt wis­sen, wis­sen wir über ihre Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diäre

Im Mai 2018 ver­lieh die Scha­der Stif­tung den Scha­der-Preis an den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­ler Otfried Jar­ren (Uni­ver­si­tät Zürich). Er hielt bei der Ver­lei­hung eine Rede zur Bedeu­tung von Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­ren.

In der aus­ge­ar­bei­te­ten, ver­öf­fent­lich­ten Fas­sung sei­nes Vor­trags „Die Macht der Inter­me­diä­re als wis­sen­schaft­li­che wie gesell­schaft­li­che Her­aus­for­de­rung“ ver­dich­tet er zahl­rei­che aktu­el­le wis­sen­schafts­theo­re­ti­sche Bei­trä­ge sowie empi­ri­sche Befun­de ver­schie­de­ner Dis­zi­pli­nen zu einem poin­tier­ten Bei­trag über die Gegen­wart und Ent­wick­lung von Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­ren, Mas­sen­me­di­en, der öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dung sowie gesell­schaft­li­cher und poli­ti­scher Nor­men. Am Ende gibt er Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für Poli­tik, Wis­sen­schaft und Gesell­schaft, die vor allem auf eine brei­te Debat­te der aktu­el­len Ent­wick­lun­gen abzie­len.

TAKEA­WAYS:

(1) Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re beein­flus­sen nicht nur das Modell Mas­sen­me­di­en und damit die Finan­zie­rung des Jour­na­lis­mus, son­dern stel­len dar­über hin­aus die Insti­tu­ti­on Mas­sen­me­di­en an sich infra­ge. Ihre Macht ist öko­no­mi­scher, logis­ti­scher, tech­ni­scher, nor­men- und regel­set­zen­der Natur.
(2) Die neuen Inter­me­diä­re gestal­ten Öffent­lich­keit somit nach ihren Regeln und Nor­men, die die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer mit jedem Klick bestä­ti­gen. Damit wird der Grund­stein einer metri­schen Gesell­schaft gelegt, in der das Selbst haupt­säch­lich über quan­ti­fi­zier­ba­re Daten und Indi­zes (z. B. Health Score) defi­niert wird.
(3) Die tra­di­tio­nel­len Mas­sen­me­di­en ver­lie­ren an Rele­vanz, Reich­wei­te und Bedeu­tung, der Jour­na­lis­mus an Aner­ken­nung und Legi­ti­mi­tät. Jedoch blei­ben diese Medi­en wich­tig, um die Gesell­schaft über die neuen Inter­me­diä­re auf­zu­klä­ren. Des­halb sowie auf­grund der vor­herr­schen­den Intrans­pa­renz sei­tens Goog­le, Face­book und Co. ent­steht für die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer ein gro­ßes Infor­ma­ti­ons­de­fi­zit.

FORM: ver­schrift­lich­te Rede
DIS­ZI­PLIN: Sozio­lo­gie, Jour­na­lis­tik, Medi­en­wis­sen­schaft, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft
THE­MEN: Mas­sen­me­di­en, Jour­na­lis­mus, Insti­tu­tio­na­li­sie­rung, Öffent­lich­keit, metri­sche Gesell­schaft, Auf­klä­rung

Quelle(n):
Kar­ren O. / Scha­der Stif­tung: Kom­mu­ni­ka­ti­ons­rat für Face­book, Goog­le & Co?, 04.05.2018. Online unter: https://www.schader-stiftung.de/themen/kommunikation-und-kultur/fokus/medien/artikel/kommunikationsrat-fuer-facebook-google-co/ (07.09.2018).

wei­ter­füh­ren­de Links:
o.V.: Medi­en- und Mei­nungs­macht, o.D. Online unter: https://www.ikmz.uzh.ch/de/research/divisions/media-and-politics/research/current-research/Medien-und-Meinungsmacht.html (07.09.2018).

II. Aktu­el­le For­schungs­pro­jek­te

INSIGHT 5: Fil­ter­bla­sen, Fake News und der Wunsch nach ständi­gen Brea­king News

Seit 2015 führt die Uni­ver­si­tät Müns­ter, geför­dert durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern, das inter­dis­zi­pli­nä­re Pro­jekt ABIDA (Asses­sing Big Data) durch und möch­te damit einer Viel­zahl von Fra­gen nach­ge­hen, die im Zusam­men­hang mit Big Data ste­hen, so auch sol­chen im Zusam­men­hang mit Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­ren.

Das For­schungs­pro­jekt läuft vor­aus­sicht­lich bis 2019 und beschäf­tigt sich mit den gesell­schaft­li­chen Chan­cen und Risi­ken der Erzeu­gung, Ver­knüp­fung und Aus­wer­tung gro­ßer Daten­men­gen. Dar­aus sol­len Hand­lungs­op­tio­nen für Poli­tik, For­schung und Ent­wick­lung abge­lei­tet wer­den. Regel­mä­ßig ver­öf­fent­li­chen die For­sche­rin­nen und For­scher Inhal­te zu ein­zel­nen Teil­as­pek­ten sowie Dos­siers oder Fokus­grup­pen­be­rich­te zu durch­ge­führ­ten Ver­tie­fungs­stu­di­en.

TAKEA­WAYS:

(1) Ob Fil­ter­bla­sen auf Online­platt­for­men ent­ste­hen, kann empi­risch noch nicht ein­deu­tig belegt wer­den. Vor allem das öffent­li­che Pro­blem­be­wusst­sein bezüg­lich der Begrif­fe Fil­ter­bla­se, Fake News, Echo­kam­mern etc. muss durch Inves­ti­tio­nen in Medi­en­kom­pe­tenz gestärkt wer­den, da aus­schließ­lich recht­li­che Rege­lun­gen die Pro­ble­ma­tik nicht erfas­sen kön­nen.
(2) Auf recht­li­cher Ebene wird eine Pflicht zur Offen­le­gung von Algo­rith­men bzw. zur ver­pflich­ten­den Infor­ma­ti­on der Nut­ze­rin­nen und Nut­zer über die Funk­ti­ons­wei­se als sinn­voll bewer­tet, um einen (selbst-)kritischen Umgang mit den durch Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re ange­zeig­ten Bei­trä­gen zu ermög­li­chen.
(3) Im Nach­rich­ten­be­reich ist es den Nut­ze­rin­nen und Nut­zern der Fokus­grup­pe des For­schungs­pro­jekts beson­ders wich­tig, Zugang zu aktu­el­len Infor­ma­tio­nen zu erhal­ten. Jedoch schei­nen in die­sem Bereich bis­lang nicht genug tages­ak­tu­el­le Bei­trä­ge zu exis­tie­ren, damit media­le Online­an­bie­ter eine auf sie abge­stimm­te News­sei­te bereit­stel­len könn­ten. Daher fal­len die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer bezüg­lich der The­men­set­zung nicht weit aus­ein­an­der, in der Mei­nungs­bil­dung jedoch schon: Denn hier spie­len Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re wie sozia­le Netz­wer­ke eine Rolle. Sie zeich­nen sich gera­de durch Indi­vi­dua­li­sie­rung der Inhal­te auf die Inter­es­sen und Ansich­ten der jewei­li­gen Nut­ze­rin bzw. des jewei­li­gen Nut­zers aus. Eine mög­lichst diver­se Viel­falt an Mei­nun­gen dar­zu­stel­len, zählt somit weni­ger zum Wesens­merk­mal der neuen Inter­me­diä­re.

FORM: zwei Dos­siers, ein Fokus­grup­pen­be­richt

DIS­ZI­PLIN: Medi­en­wis­sen­schaft, Poli­tik­wis­sen­schaft, Recht, Sozio­lo­gie, Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten

THE­MEN: Big Data, Fake News, Fil­ter­bla­sen, Soci­al Bots, Nach­rich­ten­sei­ten, Medi­en­kom­pe­tenz, Algo­rith­men

Quelle(n):
Möl­ler M. / Uphu­es S.: Mei­nungs­viel­falt im Big Data Zeit­al­ter – die ver­fehl­te Frage nach der Fil­ter­bla­se. Müns­ter, 2018. Online unter: http://www.abida.de/sites/default/files/Dossier_Meinungsvielfalt.pdf (07.09.2018).
Kola­ny-Raise B.r et al.: Big Data in Soci­al Media & Wahl­kampf. Müns­ter, 2018. Online unter: http://www.abida.de/sites/default/files/17%20Big%20Data%20in%20Social%20Media%20%26%2
0Wahlkampf.pdf
(07.09.2018).
ABIDA (o.V.): Der Onlinen­ut­zer in den Fän­gen von Big Data. Fokus­grup­pen­be­richt. Müns­ter, 2018. Online unter: http://www.abida.de/sites/default/files/ABIDA-Fokusgruppenbericht_Onlinemedien.pdf (07.09.2018).

wei­ter­füh­ren­de Links:
all­ge­mei­ne Infor­ma­tio­nen zum For­schungs­pro­jekt ABIDA: http://www.abida.de/de.

INSIGHT 6: Algo­rith­men Tor zur wei­ten Welt der Infor­ma­tio­nen oder Rie­gel für die freie Mei­nungs­bil­dung?

Im For­schungs­pro­jekt „Algo­rith­men in digi­ta­len Medi­en und ihr Ein­fluss auf die Mei­nungs­bil­dung“ unter­sucht das Büro für Tech­nik­fol­gen-Abschät­zung beim Deut­schen Bun­des­tag (TAB) Quel­len poli­ti­scher Infor­ma­tio­nen sowie Grund­la­gen der Mei­nungs­bil­dung über Online­me­di­en.

Dabei spie­len Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re wie Such­ma­schi­nen und Soci­al Media eine zen­tra­le Rolle, aber auch Ange­bo­te klas­si­scher Medi­en wer­den hin­sicht­lich ihrer Wir­kung auf die Mei­nungs­bil­dung genau­er betrach­tet. Dies geschieht durch eine Lite­ra­tur- und Medi­en­ana­ly­se, die Durch­füh­rung von Inter­views mit Exper­tin­nen und Exper­ten, eine bereits abge­schlos­se­ne Online-Befra­gung und die Ver­ga­be exter­ner Gut­ach­ten wie z. B. an das Hans-Bre­dow-Insti­tut für Medi­en­for­schung. Wann und in wel­cher Form die Ergeb­nis­se ver­öf­fent­licht wer­den, ist nicht bekannt. Das Pro­jekt läuft seit 2017 und soll in die­sem Jahr zu Ende gehen.

TAKEA­WAYS (zugrun­de­lie­gen­de Annah­men):

(1) Online­me­di­en wer­den zu einer zuneh­mend wich­ti­gen Quel­le poli­ti­scher und gesell­schaft­li­cher Infor­ma­tio­nen für die Aus­bil­dung einer Mei­nung. Hier­zu zäh­len sowohl die Online­an­ge­bo­te klas­si­scher Medi­en als auch die viel­fach genutz­ten Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re wie Goog­le oder Face­book.
(2) Algo­rith­men prä­gen nicht nur Inhal­te von Soci­al-Media-Anwen­dun­gen, son­dern auch tra­di­tio­nel­le Bericht­erstat­tung. Sie unter­stüt­zen die Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten z. B. beim Recher­chie­ren, bei der Gewich­tung und Aus­wahl von Infor­ma­tio­nen sowie der Pro­duk­ti­on und Dis­tri­bu­ti­on von Bei­trä­gen.
(3) Einer­seits steht auf­grund der Algo­rith­men ein leich­te­rer Zugriff auf eine grö­ße­re Band­brei­te an Infor­ma­tio­nen und Mei­nun­gen zur Ver­fü­gung, wäh­rend ande­rer­seits die Gefahr der Beein­flus­sung oder gar Mani­pu­la­ti­on durch undurch­sich­ti­ge algo­rith­mi­sche Pro­zes­se besteht.

FORM: Pro­jekt­be­schrei­bung

DIS­ZI­PLIN: Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft, Medi­en­wis­sen­schaft, Poli­tik­wis­sen­schaft, Sozio­lo­gie

THE­MEN: Algo­rith­men, Jour­na­lis­mus, Mei­nungs­bil­dung, klas­si­sche Bericht­erstat­tung, Soci­al Media

Quelle(n):
http://www.tab-beim-bundestag.de/de/untersuchungen/u40000.html

wei­ter­füh­ren­de Links:
Infor­ma­tio­nen zum Gut­ach­ten des Hans-Bre­dow-Insti­tuts: https://www.hans-bredow-institut.de/de/projekte/algorithmen-und-meinungsbildung

INSIGHT 7: Öffent­lich­keit in der Krise

Die Lon­don School of Eco­no­mics and Poli­ti­cal Sci­ence nimmt sich im Rah­men des lau­fen­den Pro­jekts Truth, Trust and Tech­no­lo­gy Com­mis­si­on (T3) zen­tra­len The­men an, die im Zusam­men­hang mit der öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dung und neuen Tech­no­lo­gi­en ste­hen.

Die Glaub­wür­dig­keit des tra­di­tio­nel­len Jour­na­lis­mus’, die Ver­ant­wor­tung von Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­ren, die Medi­en­kom­pe­tenz der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger sowie die poli­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on über Online­me­di­en bil­den die vier Kern­the­men, zu denen die Kom­mis­si­on forscht und arbei­tet. For­mu­lier­tes Ziel ist es, wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se und Befun­de mit Pra­xis­wis­sen zu ver­bin­den, um so grund­sätz­li­che Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für poli­ti­sche Inter­ven­tio­nen zu ent­wi­ckeln. Zum Ende die­ses Jah­res wird ein fina­ler Bericht zu den Ergeb­nis­sen ver­öf­fent­licht.

TAKEA­WAYS (zugrun­de­lie­gen­de Annah­men):

(1) Wir befin­den uns in einer öffent­li­chen Infor­ma­ti­ons­kri­se, ins­be­son­de­re im Zusam­men­hang mit poli­ti­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on, Sach­in­for­ma­tio­nen und Nach­rich­ten.
(2) Diese Krise steht in Zusam­men­hang mit dem Ver­trau­ens­bruch, der zwi­schen der Öffent­lich­keit und den Medi­en sowie den genutz­ten Tech­no­lo­gi­en in die­sem Bereich statt­ge­fun­den hat.
(3) Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re wie Such­ma­schi­nen und Soci­al Media domi­nie­ren den Infor­ma­ti­ons­markt und sind durch Intrans­pa­renz hin­sicht­lich ihrer Arbeit und den Tech­no­lo­gi­en cha­rak­te­ri­siert, die sie ein­be­zie­hen. Ihre Nut­ze­rin­nen und Nut­zer kön­nen als Bür­ge­rin­nen und Bür­ger sowie auch als Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher gese­hen wer­den, wes­halb in die­sem Zusam­men­hang sowohl Fra­gen des Ver­brau­cher­schut­zes Rele­vanz besit­zen als auch sol­che nach den Nor­men einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft.

FORM: Pro­jekt­be­schrei­bung, Work­shop­be­richt

DIS­ZI­PLIN: Jour­na­lis­tik, Poli­tik­wis­sen­schaft, Sozio­lo­gie, Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten

THE­MEN: Jour­na­lis­mus, Medi­en­kom­pe­tenz, Mei­nungs­bil­dung, Infor­ma­ti­ons­kri­se, poli­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on, Hand­lungs­emp­feh­lun­gen

Quelle(n):
http://www.lse.ac.uk/media-and-communications/truth-trust-and-technology-commission/about
http://www.lse.ac.uk/media-and-communications/assets/documents/research/Platform-responsibility-workshop-report.pdf

INSIGHT 8: Sind sie gut oder sind sie böse?

Der Lehr­stuhl für Publi­zis­tik der Uni­ver­si­tät Mainz arbei­tet an einer Stu­die zum Thema „Publi­kums­frag­men­tie­rung durch Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re“.

Seit 2017 bis vor­aus­sicht­lich 2020 arbei­ten Bir­git Stark und Pas­cal Jür­gens an Fra­gen bezüg­lich der Aus­dif­fe­ren­zie­rung des Medi­en­an­ge­bots, der Bedeu­tung von Soci­al Media, Such­ma­schi­nen und Nach­rich­ten­ag­gre­ga­to­ren in die­sem Zusam­men­hang sowie den Fol­gen einer ver­än­der­ten inhalt­li­chen und tech­ni­schen Infor­ma­ti­ons­ver­mitt­lung. Zen­tra­les Anlie­gen dabei ist, eine Ant­wort auf die noch offe­ne Frage zu fin­den, ob Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re zu einer zuneh­men­den Frag­men­tie­rung des Publi­kums bei­tra­gen oder nicht. Metho­disch wer­den hier­zu Inhalts­ana­ly­sen und reprä­sen­ta­ti­ve Tracking­da­ten kom­bi­niert und aus­ge­wer­tet.

TAKEA­WAYS (zugrun­de­lie­gen­de Annah­men):

(1) Aus demo­kra­tie­theo­re­ti­scher Per­spek­ti­ve wer­den die Fol­gen einer indi­vi­dua­li­sier­ten Nut­zung im Inter­net vor allem nega­tiv bewer­tet: Auf­grund der dort statt­fin­den­den zuneh­men­den Frag­men­tie­rung des Publi­kums wird ange­nom­men, dass die Des­in­te­gra­ti­ons­ge­fahr steigt. Dies wie­der­um kann zu einem erhöh­ten sozia­len Kon­flikt­po­ten­ti­al und einer ver­min­der­ten Regu­lie­rungs­fä­hig­keit füh­ren.
(2) Die Rolle von Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­ren in die­sem Zusam­men­hang wird aktu­ell eben­falls meist nega­tiv inter­pre­tiert, wäh­rend größ­ten­teils uner­forscht ist, wel­che nega­ti­ven oder posi­ti­ven Aus­wir­kun­gen sie haben.
(3) Die Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re sam­meln, struk­tu­rie­ren und gewich­ten. Damit könn­ten sie auch als will­kom­me­ne Ori­en­tie­rungs- und Navi­ga­ti­ons­hil­fe für die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer ange­se­hen wer­den.

FORM: Pro­jekt­be­schrei­bung
DIS­ZI­PLIN: Journalistik/​Publizistik, Medi­en­wis­sen­schaft, Sozio­lo­gie
THE­MEN: Jour­na­lis­mus, Medi­en­kon­ver­genz, Ori­en­tie­rungs­hil­fe, Publi­kums­frag­men­tie­rung, Des­in­te­gra­ti­on

Quelle(n):
https://www.medienkonvergenz.ifp.uni-mainz.de/forschung/aktuelle-projekte/publikumsfragmentierung-durch-informationsintermediaere/

III. Ver­an­stal­tungs­an­kün­di­gun­gen

INSIGHT 9: Wis­sen­schaft­li­che und empi­ri­sche Erkennt­nis­se im Dis­kurs 

Von 31. Okto­ber bis 2. Novem­ber 2018 fin­det in Luga­no die 7. European Com­mu­ni­ca­ti­on Con­fe­rence statt. Vor Ort dis­ku­tie­ren nam­haf­te Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler zahl­rei­che The­men auf Basis neuer For­schungs­er­geb­nis­se und dar­aus resul­tie­ren­der Erkennt­nis­se, dar­un­ter auch Fra­gen zu Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­ren.

Aus­ge­rich­tet von der European Com­mu­ni­ca­ti­on Rese­arch and Edu­ca­ti­on Asso­cia­ti­on (ECREA) wer­den auf der Kon­fe­renz haupt­säch­lich Aspek­te der Bericht­erstat­tung über klas­si­sche Mas­sen­me­di­en und der Online­kom­mu­ni­ka­ti­on in den Blick genom­men. Die Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler dis­ku­tie­ren auch Fra­gen der in die­ser Aus­ga­be mehr­fach the­ma­ti­sier­ten feh­len­den empi­ri­schen For­schun­gen zur Publi­kums­frag­men­tie­rung und Des­in­te­gra­ti­on unter Zuhil­fe­nah­me aktu­el­ler, teil­wei­se noch nicht ver­öf­fent­lich­ter Unter­su­chun­gen. So stel­len bei­spiels­wei­se unter dem Titel „Media frag­men­ta­ti­on and poli­ti­cal pola­ri­za­ti­on“ (01.11., 9–10.30 Uhr) unter ande­rem For­sche­rin­nen und For­scher der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dres­den und der Uni­ver­si­tät Mainz neue Erkennt­nis­se zu Diver­si­tät und Pola­ri­sie­rung in den Medi­en off- und online vor. Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re spie­len bei die­sen Betrach­tun­gen expli­zit eine Rolle.

Wei­te­re the­ma­tisch rele­van­te Pro­gramm­punk­te sind z. B.:

  • Audi­en­ces of soci­al media (01.11., 9–10.30 Uhr)
  • Jour­na­lism, soci­al media, and audi­en­ces: redis­tri­bu­ti­on of power? (01.11., 11–12.30 Uhr)
  • Plat­forms, data and the inter­net: poli­ci­es and regu­la­ti­ons (01.11., 14.30–16.00 Uhr)
  • News on soci­al media plat­forms (01.11., 16.00–18.30 Uhr)
  • Media indus­tries: data, plat­forms, audi­ence (02.11., 11–12.30 Uhr)
  • Media trust, „fake news“ and dis­in­for­ma­ti­on (02.11., 14.30–16.00 Uhr)
  • Soci­al media, public sphe­re and public opi­ni­on (03.11., 11–12.30 Uhr)
  • Fake News, StratCom and Europea­ni­sa­ti­on (03.11., 11–12.30 Uhr)

FORM: mehr­tä­gi­ge inter­na­tio­na­le Kon­fe­renz
DIS­ZI­PLIN: Journalistik/​Publizistik, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft, Medi­en­wis­sen­schaft
THE­MEN: Jour­na­lis­mus, Mas­sen­me­di­en, Publi­kums­frag­men­tie­rung, Des­in­te­gra­ti­on, Pola­ri­sie­rung, Fake News

Quelle(n): https://www.ecrea2018lugano.eu/conference-venue/

INSIGHT 10: Nut­ze­rin­nen und Nut­zer auf der Suche nach Glaubwürdig­keit

Der Jour­na­lis­mus steckt in Zei­ten von Fake News und Fil­ter­bla­sen in einer hier schon mehr­fach erwähn­ten Krise – zumin­dest fühlt es sich so an. Dar­über dis­ku­tie­ren im Bon­ner Medi­en­zen­trum der Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung (bpb) am 8. Novem­ber 2018, 17.30 bis 20 Uhr Exper­tin­nen und Exper­ten aus Wis­sen­schaft und Pra­xis.

Gemein­sam mit der Fried­rich-Nau­mann-Stif­tung für die Frei­heit lädt die bpb zur Abend­ver­an­stal­tung „Fake­news, alter­na­ti­ve Fak­ten und Co.“ ein. Im Impuls­re­fe­rat stellt Bernd Blö­baum von der Uni­ver­si­tät Müns­ter die Frage: „Woher kommt die Skep­sis der Medi­en­nut­ze­rin­nen und Medi­en­nut­zer gegen­über der Pres­se und wie wirkt sie sich auf das Medi­en­ver­trau­en aus?“ Seit 2012 bzw. 2013 forscht er zu den The­men Jour­na­lis­mus und Ver­trau­en sowie Ver­trau­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on in einer digi­ta­li­sier­ten Welt. Im Anschluss an seine Betrach­tun­gen (18 Uhr) fin­det eine „Dis­kus­si­on zum (gefühl­ten) Ver­trau­ens­ver­lust in die Medi­en“ statt, an der neben Blö­baum Julia Bayer, Soci­al-Media-Jour­na­lis­tin und Inno­va­ti­ons­ma­na­ge­rin bei Deut­sche Welle, und Marco Ber­to­la­so, Lei­ter Zen­tra­le Nach­rich­ten beim Deutsch­land­funk, teil­neh­men. Im Anschluss fin­det ein „get tog­e­ther“ statt.

FORM: Abend­ver­an­stal­tung mit Impuls­vor­trag und Panel
DIS­ZI­PLIN: Journalistik/​Publizistik, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft, Medi­en­pra­xis
THE­MEN: Glaub­wür­dig­keit, Jour­na­lis­mus, Fake News, Online­kom­mu­ni­ka­ti­on, Ver­trau­en

Quelle(n): http://www.bpb.de/veranstaltungen/format/podium-vortrag/273392/fakenews-alternative-fakten-und-co

Die nächs­te Aus­ga­be des „For­schungs­mo­ni­tor Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re“ erscheint im Febru­ar 2019.

Impres­sum


Her­aus­ge­ber:

Lan­des­an­stalt für Medi­en NRW
Zoll­hof 2
D-40221 Düs­sel­dorf
info@medienanstalt-nrw.de
www.medienanstalt-nrw.de

Pro­jekt­lei­tung:
Dr. Meike Isen­berg

Rea­li­sie­rung:

iRights.Lab GmbH
Alm­stadt­str. 9/11
D-10119 Ber­lin
www.irights-lab.de

Pro­jekt­lei­tung:
Phil­ipp Otto (iRights.Lab)

Autorin:
Jaana Mül­ler-Brehm (iRights.Lab)

Redak­ti­on:
Wieb­ke Gläs­ser (iRights.Lab)
Julia Schra­der (iRights.Lab)

Der „For­schungs­mo­ni­tor Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re“ wird im Auf­trag der Lan­des­an­stalt für Medi­en NRW erstellt und durch den unab­hän­gi­gen Think Tank iRights.Lab erar­bei­tet.

Ziel die­ses For­schungs­mo­ni­tors ist es, aktu­el­le Ent­wick­lun­gen im The­men­feld digi­ta­le Infor­ma­ti­ons­in­ter­me­diä­re und öffent­li­che Mei­nungs­bil­dung so auf­zu­be­rei­ten, dass das Moni­to­ring einen Über­blick über neue wis­sen­schaft­li­che Publi­ka­tio­nen, den Stand aktu­el­ler For­schungs­pro­jek­te und kom­men­de rele­van­te Ver­an­stal­tun­gen im The- men­feld ver­schafft.

Das Team des iRights.Lab ent­wi­ckelt Stra­te­gi­en und prak­ti­sche Lösun­gen, um die Ver­än­de­run­gen in der digi­ta­len Welt vor­teil­haft zu gestal­ten. Wir unter­stüt­zen öffent­li­che Ein­rich­tun­gen, Stif­tun­gen, Unter­neh­men, Wis­sen­schaft und Poli­tik dabei, die Her­aus­for­de­run­gen der Digi­ta­li­sie- rung zu meis­tern und die viel­schich­ti­gen Poten­zia­le effek­tiv und posi­tiv zu nut­zen. Dazu ver­knüp­fen wir recht­li­che, tech­ni­sche, öko­no­mi­sche, sozi­al­wis­sen­schaft­li­che und gesell­schafts­po­li­ti­sche Exper­ti­se.

1 Suler J.: The Online Dis­in­hi­bi­ti­on Effect. In: Cyber Psy­cho­lo­gy & Beha­vi­or, Vol. 7 / No. 3, 2004. Online unter: https://www.liebertpub.com/doi/10.1089/1094931041291295 (07.09.2018).