01.09.15 Rückblick: Öffentliche Diskussionsveranstaltung „Vernetzte Mobilität – Erweiterung der persönlichen Autonomie oder Eingrenzung der Privatsphäre?“

Chancen und Risiken vernetzter Mobilität – darüber sprachen Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft am 25. Juni 2015 in der Stuttgarter Phoenixhalle. Die fünfte Veranstaltung im Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“, das das iRights.Lab in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) durchführt, thematisierte damit den Einsatz von Big Data im Kontext von selbstfahrenden Autos, Verkehrsleitsystemen sowie der Sammlung und Nutzung dabei anfallender Daten.

Winfried Hermann, Minister für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg, betonte in seiner Begrüßung die Rolle der Politik. Sie müsse hierbei nicht nur Daten schützen, sondern auch dafür Sorge tragen, dass sie nicht zum reinen Selbstzweck gesammelt werden. Dem Gemeinwohl komme dabei die Reduktion von Unfällen und Klimaschäden besonders zugute.

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Grußwort: Winfried Hermann, Minister für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg

Innovationschancen

Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, erklärte in seiner Keynote, dass jeder siebente Arbeitsplatz in Deutschland von der Automobilindustrie abhängt. Folgerichtig also, dass Innovationschancen genutzt werden müssen und das Investitionsvolumen in diesem Bereich bereits massiv durch das Bundesministerium erhöht worden ist. Barthle nannte die Verminderung von Gefahrpotentialen und die Erhöhung der Verkehrseffizienz als positive Effekte einer erhöhten Technologieoffenheit.

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Keynote: Wie sieht die Zukunft der Mobilität aus? Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur

Daimler-Zukunftsforscher Alexander Mankowsky sah in der Digitalisierung der Mobilität großes Potential zur Veränderung der Gesellschaft. Debatten darüber, ob Automatisierung und Vernetzung gesellschaftlich erstrebenswert sind, müssten unbedingt geführt werden, denn die technischen Grundlagen seien oftmals schon gegeben. Fairness, Transparenz und Kommunikation – für Mankowsky Grundpfeiler bei der Entwicklung von Lösungen zur Integration technischer Automatiken in die soziale Welt des Menschen.

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Begrüßung: Philipp Otto, Projektleiter Digitaler Kodex und Partner beim iRights.Lab

Matthias Kammer

Begrüßung und Einführung: Matthias Kammer, Direktor des Deutschen Instituts für Sicherheit und Vertrauen im Internet (DIVSI)

Prof. Dr. Nikolaus Forgó vom Institut für Rechtsinformatik der Leibniz Universität Hannover kritisierte in seiner Keynote nicht nur den Herrschaftsverlust bei Gratisdiensten („If the product is for free, you are the product“), sondern auch den wenig definierten Begriff der „personenbezogenen Daten“. Es sei beispielsweise nicht klar, ob massenhaft gesammelte Geodaten dazu gehören oder nicht.

Prof Dr Nikolaus Forgo

Keynote: Was bedeutet die digitale Revolution für den Individualverkehr der Zukunft? Prof. Dr. Nikolaus Forgó, Institut für Rechtsinformatik, Leibniz Universität Hannover

Big Data und Mobilität

Moderiert von Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21 e.V., fokussierte die anschließende Podiumsdiskussion insbesondere auf die Auswirkungen von Big Data im Zusammenhang mit Mobilität. Ulrich Chiellino, Leiter Interessenvertretung Verkehr des ADAC e.V., stellte die massenhafte Sammlung von Daten in Frage und bestärkte die Entscheidungsfreiheit des Nutzers. Jörg Klingbeil, Landesbeauftragter für den Datenschutz Baden-Württemberg, stimmte dem zu. Es müsse möglich sein, ohne Benachteiligung – beispielsweise im Versicherungsfall – „datenfrei“ Auto zu fahren. Dagegen forderte Ivo Körner, Geschäftsführer Vertrieb Branchenkunden IBM Deutschland GmbH, eine intelligente Abwägung zwischen dem Schutz des Einzelnen und dem gesellschaftlichen Nutzen.

DiskussionsPanel01

Podiumsdiskussion: Mobile Welt – Wem nützt Big Data? Jörg Klingbeil, Alexander Mankowsky, Lena-Sophie Müller (Moderation), Ivo Körner, Ulrich Chiellino (v.l.n.r.)

Technologieoffenheit und Vertrauen

Zum sinnvollen Umgang mit Big Data war sich das Podium schlussendlich einig: Obgleich Wahlmöglichkeiten wichtig sind, sollte ein offener Umgang mit vernetzten Systemen, die einen gesellschaftlichen Nutzen bringen, angestrebt werden. Hierbei sei es zwingend notwendig, bisherige rechtliche Regelungen wie etwa das Datenschutzrecht zu überarbeiten – auch hier sind innovative Ansätze gefragt.

Schlussendlich kommt es darauf an, das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer zu haben. Diese müssten verstehen, was mit ihren Daten passiert. Deshalb sollte Misstrauen durch Informationen und Mitgestaltungsmöglichkeiten aktiv entgegengewirkt werden.

 

Fotos: Stefan Zeitz  

 

Auf der Webseite des DIVSI finden Sie eine Zusammenfassung, Aufzeichnungen sowie kurze Interviews mit den Sprechern der Veranstaltung.

Auch die Stuttgarter Zeitung hat ausführlich über die Veranstaltung berichtet.

Das iRights.Lab realisiert das Projekt "Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?" im Auftrag des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Nachdem im ersten Projektteil die grundsätzliche Frage erörtert wurde, ob ein Digitaler Kodex fehlende soziale Normen im Internet etablieren kann, steht nun eine Konkretisierung anhand des Themenbereichs „Big Data“ im Mittelpunkt.

Weitere Informationen zum Projekt: www.divsi.de/projekte/digitaler-kodex

Informationen zum Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI): www.divsi.de/ueber-uns