Aktuell

02.09.16

Wer regiert das Internet? – Neue Publikation beschreibt Akteure und Handlungsfelder

Die Regulierung des Internets geht alle etwas an. Denn das Netz ist omnipräsent, überall auf der Welt, in allen Gesellschaften. In der digitalisierten Welt muss deshalb gewährleistet sein, dass das Internet sowohl in technischer als auch in gesellschaftlich-politischer Hinsicht funktionsfähig bleibt. Internet Governance als lenkende Funktion trägt dafür Sorge. Doch wie funktioniert Internetregulierung? Welche Steuerungsmöglichkeiten gibt es? Und wer nimmt diese in welcher Form wahr? Wer regiert also eigentlich das Internet?

01.08.16

Publikation sammelt Ideen für ein gelingendes Familienleben in der digitalen Gesellschaft der Zukunft

Die Broschüre „Gutes Familienleben in der digitalen Gesellschaft“ fasst die Ergebnisse eines Expertenworkshops zu den Herausforderungen, die sich für Familien aus der Digitalisierung der Gesellschaft ergeben, zusammen: Die digitale Kompetenz aller Familienmitglieder erwies sich in den im Workshop erarbeiteten Prognosen als entscheidender Faktor für ein gelingendes Familienleben in der Zukunft. Technische Möglichkeiten auszuloten und diese umsichtig einzusetzen sei dabei maßgeblich. Die Publikation ist nun erhältlich.

13.06.16

DW Akademie und iRights stellen Guidebook Internet Governance vor

Was genau ist Internet Governance und wie beeinflusst sie unser Leben? Diese Frage haben sich die Deutsche Welle Akademie und das iRights.Lab gestellt. Ergebnis ist das „Guidebook Internet Governance - Media freedom in a connected world“, das heute anlässlich des Global Media Forums in Bonn erscheint. Das Guidebook in englischer Sprache richtet sich vor allem an Journalisten und Medienaktivisten im Globalen Süden, ist aber für alle interessant, die verstehen möchten, was Internet Governance mit Presse- und Informationsfreiheit, Cyber-Sicherheit, Netzneutralität und anderen Themen der Digitalpolitik zu tun hat.

16.02.16

Logan CIJ Symposium in Berlin: Freiheit und Demokratie verteidigen

Prominente Journalisten und Aktivisten aus aller Welt werden beim Logan CIJ Symposium am 11. und 12. März in Berlin darüber diskutieren, wie Freiheit und Demokratie verteidigt werden können. Mit dabei, neben Jesselyn Radack, Jacob Appelbaum, Sarah Harrison und Seymour Hersh ist auch Matthias Spielkamp, Gründer des iRights.Labs und Vorstandsmitglied bei Reporter ohne Grenzen. Der Titel seiner Session: "Difficult targets".

08.02.16

„Recht auf Vergessenwerden“: Konkreter Umsetzungsvorschlag vorgelegt

Nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Mai 2014 ein „Recht auf Vergessenwerden“ bei Suchmaschinen erzwungen hat, ist vieles bezüglich der Bedeutung und Umsetzung der Entscheidung im Unklaren geblieben. Deshalb hat das iRights.Lab nun im Auftrag des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) zum ersten Mal einen konkreten Umsetzungsvorschlag dafür entwickelt und veröffentlicht.

04.02.16

Neue Studie: Chancen und Risiken von Big Data

Das iRights.Lab legt zum Abschluss der zweiten Phase des Projekts „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ eine umfangreiche Studie zu Big Data vor. In Zusammenarbeit mit über 40 Expertinnen und Experten entstand im Auftrag des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) in dem knapp einjährigen Teilprojekt ein Bericht, der erstmals die mit der Sammlung großer Datenmengen verbundenen Herausforderungen anschaulich anhand der Themenfelder Smart Health und Smart Mobility beschreibt.

20.11.15

iRights.Lab beim Internet Governance Forum: Mehr Teilhabe für afrikanische Akteure

Mehrere Tausend Experten aus der ganzen Welt diskutierten beim Internet Governance Forum in Brasilien. Die DW Akademie und iRights.Lab hatten neun afrikanische Medien-Experten eingeladen, an diesem Dialog teilzuhaben.

04.11.15

Rückblick: Veranstaltung zu den Chancen und Risiken von Gesundheitstracking am 30. September 2015 in Berlin

Die sechste öffentliche Veranstaltung im Projekt "Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?" war dem Thema Big Data im Gesundheitswesen gewidmet. Unter dem Titel "Treuer Assistent oder Trojaner am Körper? – Wie Gesundheitstracking unseren Alltag verändert" diskutierten Experten aus Wirtschaft, Politik, Medizin und Wissenschaft im Berliner Meistersaal miteinander. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf dem Thema Tracking mit Wearables und den damit verbundenen gesellschaftlichen Chancen und Risiken.

07.09.15

Wearables – Chance für die Gesundheit oder Invasion des Privatlebens?

Immer mehr Menschen tragen Wearables am Körper und lassen so eine Datensammlung sehr persönlicher Natur zu. Es stellen sich wichtige Fragen zum Umgang mit diesen Daten und den daraus gewonnenen Erkenntnissen.

01.09.15

Rückblick: Öffentliche Diskussionsveranstaltung „Vernetzte Mobilität – Erweiterung der persönlichen Autonomie oder Eingrenzung der Privatsphäre?“

Chancen und Risiken vernetzter Mobilität – darüber sprachen Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft am 25. Juni 2015 in der Stuttgarter Phoenixhalle. Die fünfte Veranstaltung im Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“, das das iRights.Lab in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) durchführt, thematisierte damit den Einsatz von Big Data im Kontext von selbstfahrenden Autos, Verkehrsleitsystemen sowie der Sammlung und Nutzung dabei anfallender Daten.

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02.09.16 Wer regiert das Internet? – Neue Publikation beschreibt Akteure und Handlungsfelder

Die Regulierung des Internets geht alle etwas an. Denn das Netz ist omnipräsent, überall auf der Welt, in allen Gesellschaften. In der digitalisierten Welt muss deshalb gewährleistet sein, dass das Internet sowohl in technischer als auch in gesellschaftlich-politischer Hinsicht funktionsfähig bleibt. Internet Governance als lenkende Funktion trägt dafür Sorge. Doch wie funktioniert Internetregulierung? Welche Steuerungsmöglichkeiten gibt es? Und wer nimmt diese in welcher Form wahr? Wer regiert also eigentlich das Internet?

Im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung hat das iRights.Lab eine Broschüre erstellt, die sich mit genau diesen Fragen beschäftigt. Darin geben die Autorinnen und Autoren einen Überblick über die Geschichte der Internetregulierung, erläutern Regulierungsansätze und zeigen Gestaltungsmöglichkeiten auf. Darüber hinaus werden die relevanten Akteure in dem Bereich vorgestellt, ein Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe und weiterführende Links, Informationen und Literaturhinweise helfen bei der weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema. Somit spricht diese Publikation sowohl interessierte Bürgerinnen und Bürger an, die einen ersten Überblick über das Thema Internet Governance gewinnen möchten, als auch versiertere Internetnutzerinnen und -nutzer, die sich mit dem aktuellen Status quo befassen wollen. Dazu Philipp Otto, Gründer und geschäftsführender Partner des iRights.Lab: “Die Publikation soll informieren, aufklären und aktivieren. Nur wenn Regulierung transparenter wird und Menschen sich aktiv beteiligen, wird sie besser und gerechter.”

Die Handlungsfelder der Internetregulierung sind vielseitig und komplex – und betreffen Infrastruktur und Entwicklungszusammenarbeit, Menschen- und Bürgerrechte sowie Sicherheitspolitik und Rechtsentwicklung. Johanna Niesyto, Leiterin Medienpolitik bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, schreibt in ihrem Vorwort: “Es geht um Zugang zum Internet, um Menschen­ und Bür­gerrechte, um gesellschaftliche, kulturel­le wie wirtschaftliche Teilhabe aller, um gerechten globalen Handel und darum, dass das „Netz der Netze“ zu jederzeit sicher und einwandfrei läuft.” Im Fokus der Internetregulierung stehen deshalb die folgenden zentralen Leitfragen, die es in diesem kontinuierlichen Prozess zu beantworten gilt:

  • Wie können die Freiheitsrechte im Netz möglichst für alle gewährleistet werden?
  • Wie soll der globale Handel über das Internet aussehen?
  • Wer sorgt dafür, dass die technische Infrastruktur des Internets auch in Zukunft einwandfrei funktioniert?

Um den freien und stabilen Zugang zum Internet für alle Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten, ist es notwendig, die Entwicklung des Netzes unter Berücksichtigung der genannten Leitfragen aktiv voranzutreiben.

In verschiedenen Interviews und Statements kommen deshalb Gestalterinnen und Gestalter der digitalen Gesellschaft zu Wort und erläutern ihre Sicht auf Internet Governance. Kirsten Fiedler, Geschäftsführerin des Netzwerkes European Digital Rights, bemängelt: “Datenschutz, Massenüberwachung und Urheberrecht – dies sind nur einige der netzpolitischen Themen, die rund um die Erde ausgefochten werden und bei denen Grundrechte oft auf der Strecke bleiben.“ Prof. Michael Rotert, Vorstandsvorsitzender des eco – Verband des Internetwirtschaft e.V., wünscht sich Stimmenvielfalt im Regulierungsprozess: “Wenn nur Staaten entscheiden dürften, was im Internet zu sehen ist, wäre das fatal für die Zivilgesellschaft.”

Die Publikation ist bei der FES als PDF zum Download erhältlich.

01.08.16 Publikation sammelt Ideen für ein gelingendes Familienleben in der digitalen Gesellschaft der Zukunft

Die Broschüre „Gutes Familienleben in der digitalen Gesellschaft“ fasst die Ergebnisse eines Expertenworkshops zu den Herausforderungen, die sich für Familien aus der Digitalisierung der Gesellschaft ergeben, zusammen: Die digitale Kompetenz aller Familienmitglieder erwies sich in den im Workshop erarbeiteten Prognosen als entscheidender Faktor für ein gelingendes Familienleben in der Zukunft. Technische Möglichkeiten auszuloten und diese umsichtig einzusetzen sei dabei maßgeblich. Die Publikation ist nun erhältlich.

Während des eintägigen Workshops im Dezember 2015 befassten sich die geladenen, aus verschiedenen fachlichen Bereichen kommenden Expertinnen und Experten mit der Frage, wie sich die Digitalisierung und ihr Einfluss auf immer mehr Lebensbereiche im Jahr 2025 auf Familien in Deutschland auswirken könnte. Wie kommen Familien in der digitalen Gesellschaft zurecht? Wie kann sich die Lebensqualität von Familien durch die Digitalisierung verbessern? Wie können Eltern und ihr Wunsch nach Integration von Erwerbstätigkeit und Familie durch die Digitalisierung unterstützt werden? Dies waren nur drei der Leitfragen, die als Orientierung für die Arbeit im Workshop dienten. Ziel war es, Strategien für den Umgang mit den digitalen Technologien innerhalb der Familie zu entwickeln und daraus eine Reihe von Kernpunkten abzuleiten, die den politischen Handlungsbedarf beschreiben.

Als Grundlage des Workshops diente die sogenannte Szenariomethode: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer untersuchten drei Modellfamilien, die exemplarisch für unterschiedliche Lebenswirklichkeiten im Jahr 2025 stehen sollten. Für jede der Familien – die alleinerziehende Mutter, das pendelnde Ehepaar mit drei Kindern und die Patchworkfamilie – erarbeiteten die Expertinnen und Experten jeweils ein positives und ein negatives Zukunftsszenario. Aus dem sich ergebenden Spannungsfeld zwischen diesen beiden Polen extrahierten die Teilnehmenden dann Handlungsempfehlungen für die Politik.

Die Broschüre, die beim BMFSFJ als Heft bestellt oder als PDF heruntergeladen werden kann, fasst die Ergebnisse des Workshops zusammen und spitzt sie auf fünf Kernpunkte politischen Handlungsbedarfs zu:

  • Unterstützung der Familien durch digitalisierte Verwaltungsabläufe
  • Klare Ausgestaltung von Arbeitszeiten und -orten (insbesondere Homeoffice) unter Einhaltung eines Mindestmaßes an Flexibilität
  • Schaffung von Orten des Austauschs und der Vermittlung von Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Infrastrukturen
  • Frühzeitige Vermittlung digitaler Kompetenz in allen Familien und Unterstützung durch „Digitalisierungslotsen“
  • Sicherung und Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie Gewährleistung eines Zugangs zu digitalen Hilfsmitteln für die gesamte Bevölkerung 

Insgesamt konnte der Workshop zeigen, dass die Digitalisierung der Gesellschaft gerade für Familien viel Potential bietet, das Zusammenleben zu verbessern und die Lebensqualität zu steigern. Die zugleich entstehenden Risiken, die sich zum Beispiel aus einem unkritischen digitalen Medienkonsum ergeben, können nur dann abgewendet werden, wenn die Politik entsprechend gegensteuert. Dafür müssen allen Bevölkerungsgruppen und allen Mitgliedern von Familien frühzeitig und fortlaufend Kompetenzen zum Umgang mit der Digitalisierung vermittelt werden. Gerade dies macht die Broschüre selbst noch einmal deutlich.

Das iRights.Lab führte das Projekt im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und in Zusammenarbeit mit der Zentralen Intelligenz Agentur (ZIA) durch. Für den rundum gelungenen und spannenden Workshop bedankt sich das iRights.Lab herzlich beim BMFSFJ, bei der ZIA und insbesondere bei allen Expertinnen und Experten!

13.06.16 DW Akademie und iRights stellen Guidebook Internet Governance vor

Was genau ist Internet Governance und wie beeinflusst sie unser Leben? Diese Frage haben sich die Deutsche Welle Akademie und das iRights.Lab gestellt. Ergebnis ist das „Guidebook Internet Governance - Media freedom in a connected world“, das heute anlässlich des Global Media Forums in Bonn erscheint. Das Guidebook in englischer Sprache richtet sich vor allem an Journalisten und Medienaktivisten im Globalen Süden, ist aber für alle interessant, die verstehen möchten, was Internet Governance mit Presse- und Informationsfreiheit, Cyber-Sicherheit, Netzneutralität und anderen Themen der Digitalpolitik zu tun hat.

GiG coverAutoren wie Helani Galpaya, Chefin der Sri Lankischen NRO LIRNEasia, J. Carlos Lara, Anwalt bei Derechos Digitales in Chile, und Enrico Calandro von Research ICT Africa beschreiben in Texten, die auch für interessierte Laien verständlich sind, warum die Regulierung des Internets immer auch eine Regulierung der Medien ist. Dabei werden Konzepte wie „Haftung für Intermediäre (Plattformen)“ oder die Auseinandersetzung um Facebooks „Zero Rating“ so erläutert, dass der Zusammenhang zur Pressefreiheit, Privatsphäre und anderen Grundrechten deutlich wird. Im Interview verdeutlicht UN-Sonderberichterstatter David Kaye die besonderen Herausforderungen: "Das Internet wird weithin als öffentlicher Raum gesehen, aber es ist zum großen Teil in Privatbesitz. Wie dieser Raum reguliert wird, wie unsere Äußerungen zur Ware werden, was dann mit dieser Ware gemacht wird - diese Fragen gehören zu den wichtigsten, denen Staaten weltweit sich widmen müssen."

Auf zwei doppelseitigen Infografiken werden der globale Internet-Governance-Prozess und lokale IG-Strukturen am Beispiel Kenias dargestellt; das Kapitel „Internet governance in the Global South: central topics“ fasst in kurzen Abschnitten wichtige Aspekte des Themas noch einmal zusammen.

Das Guidebook ist eine Zusammenarbeit von DW Akademie, Deutschlands führender Organisation für internationale Medienentwicklung, und iRights aus Berlin, das auch die IGF Academy ausrichtet. Herausgeber sind Barbara Gruber und Steffen Leidel von der DW Akademie und Lorena Jaume-Palasí und Matthias Spielkamp von iRights.

Redaktionell betreut wurde das Guidebook von Ralf Grötker, illustriert von Manja Ehemann. Die Produktion wurde finanziell unterstützt vom Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Herunterladen: Guidebook Internet Governance (PDF, 1 MB)

Interview mit Matthias Spielkamp zum Erscheinen des Guidebooks (Englisch)
Berichterstattung zum Guidebook auf der Seite der DW Aakdemie (Englisch)

Table of contents
Foreword
01 Introduction
02 What activists say
03 Access for all—or the end of the Internet as we know it?
04 Don’t shoot the messenger
05 Undermining privacy and freedom of expression in guise of cybersecurity
06 No balancing exercises!
07 Internet governance in the Global South: central topics
References | About us

16.02.16 Logan CIJ Symposium in Berlin: Freiheit und Demokratie verteidigen

Prominente Journalisten und Aktivisten aus aller Welt werden beim Logan CIJ Symposium am 11. und 12. März in Berlin darüber diskutieren, wie Freiheit und Demokratie verteidigt werden können. Mit dabei, neben Jesselyn Radack, Jacob Appelbaum, Sarah Harrison und Seymour Hersh ist auch Matthias Spielkamp, Gründer des iRights.Labs und Vorstandsmitglied bei Reporter ohne Grenzen. Der Titel seiner Session: "Difficult targets".

NSA, BND, GCHQ, die Mafia, die Narcos und multi-nationale Unternehmen sind mächtige Gegner, gegen die nur mit besonders kreativen und innovativen Methoden Widerstand geleistet werden kann. Sie verfügen über nahezu unendliche Mittel, mit denen kaum jemand technisch und materiell konkurrieren kann. Die Teilnehmer der Diskussion, Matt Kennard, Stefania Maurizi, Paul von Ribbeck und Matthias Spielkamp, berichten von ihren Projekten und Ideen, mit deren Hilfe sie versuchen, unsere Grundrechte zu verteidigen.

Mehr Informationen auf der Website des Logan CIJ Symposiums.

08.02.16 „Recht auf Vergessenwerden“: Konkreter Umsetzungsvorschlag vorgelegt

Nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Mai 2014 ein „Recht auf Vergessenwerden“ bei Suchmaschinen erzwungen hat, ist vieles bezüglich der Bedeutung und Umsetzung der Entscheidung im Unklaren geblieben. Deshalb hat das iRights.Lab nun im Auftrag des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) zum ersten Mal einen konkreten Umsetzungsvorschlag dafür entwickelt und veröffentlicht.

Das Urteil des EuGH zum „Recht auf Vergessenwerden“ verpflichtet Suchmaschinen-Betreiber, auf Antrag Links aus dem Suchindex zu löschen, wenn sie die Privatsphäre des Antragstellers verletzen. Die Anbieter müssen dabei abwägen, ob das Anliegen des Betroffenen Vorrang vor den Interessen der Allgemeinheit zum Beispiel in Bezug auf die Meinungs- und Informationsfreiheit hat. „Das Urteil zum Recht auf Vergessenwerden greift in wichtige Funktionen und Nutzungsgewohnheiten des Internets ein. Denn nicht mehr alles, was wir suchen, ist nun noch ohne weiteres auffindbar“, konstatiert Philipp Otto, Leiter des Projekts „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ und Gründer des iRights.Lab. „Eine derart grundrechtsrelevante Entscheidung darf nicht allein den Suchmaschinen-Betreibern überlassen werden. Mit dem von uns vorgeschlagenen Digitalen Kodex wollen wir deshalb dieses Problem konstruktiv und im Sinne aller Beteiligten und des öffentlichen Interesses lösen.“ Dieser Kodex bietet den Suchmaschinen-Anbietern konkrete Regelungen als Orientierungsrahmen für die Löschentscheidung. Darüber hinaus stellt der Vorschlag einer neu einzurichtenden Schiedsstelle eine maßgebliche Verfahrensmöglichkeit dar und verlagert so die Entscheidungshoheit weg von privatwirtschaftlichen Unternehmen hin zu einer demokratisch legitimierten Instanz. Diese bindet bei Bedarf auch den Publizierenden in den Gesamtprozess ein. Damit erhält der Äußernde die Möglichkeit, die Löschung von Links anzufechten, die auf seine Publikation verweisen. Denn obwohl er starke Interessen an dem Ergebnis des Entscheidungsprozesses hat, ist er bislang außen vor.

Der vorliegende Bericht ist auf Grundlage der Zusammenarbeit mit zahlreichen Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft entstanden, die in das Projekt „Recht auf Vergessenwerden“ involviert waren. Dessen inhaltliche Entwicklung wurde unter anderem von zahlreichen Interviews und Konsultationen mit verschiedenen Akteuren vorangetrieben und von einer hochrangigen, interdisziplinären Expertengruppe im Rahmen mehrerer Workshops begleitet. Spannende Erkenntnisse über die Wahrnehmung des Rechts auf Vergessenwerden in der Öffentlichkeit bot eine von der Universität St. Gallen und dem SINUS-Institut durchgeführte Online-Befragung von Internet-Nutzern ebenso wie eine öffentliche Veranstaltung in Berlin.

Das Recht auf Vergessenwerden

Der Projektbericht kann als PDF heruntergeladen werden.

 

Seit 2013 ergründen das DIVSI und das iRights.Lab in einem gemeinsamen Projekt, ob Deutschland einen Digitalen Kodex benötigt und wie dieser aussehen könnte. Die namensgebende Frage „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ wurde in der ersten Projektphase positiv beantwortet. Ziel des zweiten Projektteils, der sich mit dem „Recht auf Vergessenwerden“ befasste, war die Erarbeitung eines Kodex-Vorschlags für diesen Themenbereich. Der vorliegende Projektbericht erläutert sowohl die aufgrund des Urteils entstandenen Problemstellungen als auch die Hintergründe für den ebenfalls enthaltenen Kodex. 

Ansprechpartner:
Philipp Otto, Leiter des Projekts „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ und Gründer des unabhängigen Think Tank iRights.Lab
otto@irights-lab.de

Informationen zum Projekt: www.divsi.de/projekte/digitaler-kodex/ 
Informationen zum Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI): www.divsi.de/ueber-uns/

04.02.16 Neue Studie: Chancen und Risiken von Big Data

Das iRights.Lab legt zum Abschluss der zweiten Phase des Projekts „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ eine umfangreiche Studie zu Big Data vor. In Zusammenarbeit mit über 40 Expertinnen und Experten entstand im Auftrag des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) in dem knapp einjährigen Teilprojekt ein Bericht, der erstmals die mit der Sammlung großer Datenmengen verbundenen Herausforderungen anschaulich anhand der Themenfelder Smart Health und Smart Mobility beschreibt.

Im Mittelpunkt der Analyse stehen die gesellschaftlichen Konfliktlinien im Zusammenhang mit Big Data. „Heute sind es noch erste Versuche, sich diesen gesellschaftlichen Fragen zu nähern, morgen wird die Lösung und Beantwortung dieser Fragen über unsere Zukunft entscheiden“, so Philipp Otto, Leiter des Projekts „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“. Der Gründer des iRights.Lab ergänzt: „Nur wenn es uns gelingt, alle gesellschaftlichen Akteure an einen Tisch zu bekommen und gemeinsam adäquate Modelle zum technischen, rechtlichen und ethischen Umgang mit großen Datenmengen zu entwickeln, können wir in die Phase der aktiven gesellschaftlichen Gestaltung eintreten. Das ist unser Ziel.“ Mit dem vorliegenden Bericht haben das iRights.Lab und DIVSI nun die Grundlage dafür geschaffen, einen Digitalen Kodex für den Bereich Big Data zu entwickeln.

Die Ergebnisse der Studie im Rahmen des Teilprojekts Big Data wurden gemeinsam mit zahlreichen Fachleuten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft erarbeitet. Hierfür fanden unter anderem Gespräche in Form von ausführlichen Interviews und fokussierten Konsultationen statt. Darüber hinaus hat eine Expertengruppe das Projekt über seine Laufzeit hinweg im Sinne eines „Sounding Board“ begleitet. Öffentliche Veranstaltungen in Stuttgart und Berlin dienten dazu, die im Projekt erarbeiteten Erkenntnisse in die öffentliche Debatte einzubringen und weitere Einschätzungen einzuholen.

Big Data 

Der Projektbericht kann als PDF heruntergeladen werden.

 

Seit 2013 arbeiten das DIVSI und das iRights.Lab zusammen, um gemeinsam zu ergründen, ob Deutschland einen Digitalen Kodex benötigt und wie ein solcher aussehen könnte. Nachdem im ersten Projektabschnitt die Frage nach der Notwendigkeit eines Kodex positiv beantwortet wurde, fand in der darauffolgenden und nun abgeschlossenen zweiten Projektphase unter anderem eine Zuspitzung auf das Thema Big Data statt. Mit seiner Fokussierung auf praxisorientierte Beispiele erleichtert der vorliegende Bericht zum einen den Einstieg in das komplexe Thema Big Data. Aufgrund der eingeflossenen Expertise stellt er andererseits aber auch einen fundierten Beitrag zu einem hochrelevanten und vieldiskutierten Bereich dar. 

Ansprechpartner:
Philipp Otto, Leiter des Projekts „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ und Gründer des unabhängigen Think Tank iRights.Lab
otto@irights-lab.de

Informationen zum Projekt: www.divsi.de/projekte/digitaler-kodex/ 
Informationen zum Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI): www.divsi.de/ueber-uns/

20.11.15 iRights.Lab beim Internet Governance Forum: Mehr Teilhabe für afrikanische Akteure

Mehrere Tausend Experten aus der ganzen Welt diskutierten beim Internet Governance Forum in Brasilien. Die DW Akademie und iRights.Lab hatten neun afrikanische Medien-Experten eingeladen, an diesem Dialog teilzuhaben.

Roger Bah Yusuf Amadou Tigabu Diagne

Roger Bah und Yusuf Amadou aus Ghana und Tigabu Diagne aus Äthiopien (Foto: Steffen Leidel, DW)

"Jeden Tag werden auf der ganzen Welt Menschen für das, was sie auf Facebook schreiben, verhaftet", sagt die renommierte Internet-Expertin Rebecca MacKinnon. In ihrem Projekt "Ranking Digital Rights" hat sie recherchiert, dass große Internet- und Telekommunikationsunternehmen noch viel zu wenig für den Schutz der Privatsphäre und des Rechts auf freie Meinungsäußerung der Nutzer tun.

MacKinnon war einer der prominenten Gäste in einem Workshop, den die DW Akademie zusammen mit dem iRights.Lab im Rahmen des Internet Governance Forums (IGF) in João Pessoa in Brasilien organisierte. Internetexperten aus acht afrikanischen Ländern nahmen teil. Matthias Spielkamp, Partner beim iRights.Lab und Vorstandsmitglied von Reporter ohne Grenzen, hat den vom BMZ finanzierten Workshop mitkonzipiert: "Der besondere Ansatz von DW Akademie und iRights bestand darin, einen intensiven zweitägigen Vorbereitungsworkshop vor das IGF zu schalten. Das hat den Teilnehmern die Chance gegeben, sich durch sachlichen Input und Austausch mit Experten systematisch auf diese komplexe Konferenz vorzubereiten".

Die Teilnehmer aus Kenia, Malawi, Simbabwe, Sambia, Uganda, Äthiopien, Ghana und Südafrika konnten neben MacKinnon noch weitere prominente Experten in kleinem Kreise empfangen, darunter auch den UN-Sonderberichterstatter für die Privatsphäre in der digitalen Welt, Joe Cannataci.

Diskussion Joe Cannataci UN

Diskussion mit Joe Cannataci, UN Sonderbeauftragter für Datenschutz (Foto: Steffen Leidel, DW)

Herausforderung digitaler Wandel

Das Internet Governance Forum gilt als die wichtigste Konferenz zu Zukunftsfragen des Internets. Zum zehnten Mal brachten die Vereinten Nationen hochrangige Regierungsvertreter, Meinungsführer aus der Zivilgesellschaft und der technischen Internet Community zusammen. Diskutiert wurde – offline und online - über die vielen Herausforderungen, die der globale digitale Wandel mit sich bringt: Zugang zu Information und Meinungsfreiheit, neue Formen von Diskriminierung und Überwachung. Weitere zentrale Themenwaren Netzneutralität, kritische Internetressourcen und die Verbesserung der Zusammenarbeit der verschiedenen Stakeholder im Internet.

Das IGF ist als Multi-Stakeholder-Prozess ein weltweit einzigartiges, offenes und transnationales Forum. Zwar hat das IGF keine Entscheidungsvollmacht, aber seine Diskussionen prägen die Arbeit der nationalen und regionalen Foren für Internet Governance. "Akteure aus Entwicklungsländern sind bei diesem wichtigen Forum noch unterrepräsentiert. Wir wollen unsere Partner darin stärken, sich bei dem zentralen Thema Meinungsfreiheit im Internet in die jeweilige nationale und globale Debatte einbringen zu können", so Steffen Leidel, Abteilung Digital und Wissensmanagement der DW Akademie.

Matthias Spielkamp Lorena Jaume Palasi

Matthias Spielkamp, Partner bei iRightsLab und Vorstandsmitglied bei Reporter ohne Grenzen, und Lorena Jaume-Palasi, Koordinatorin der Global Internet Governance Working Group, unterstützten den DW Akademie-Workshop (Foto: Steffen Leidel, DW)

Ein wichtiges, immer wiederkehrendes Thema war das Zusammenspiel von Menschenrechten und Internet: Zugang zu Information, Meinungsfreiheit und das Recht auf Privatsphäre sind Grundrechte, die online wie offline gelten und geschützt werden müssen. Allerdings geht der Trend in vielen afrikanischen Ländern in die entgegengesetzte Richtung: "Immer mehr Regierungen versuchen, das Internet zu kontrollieren und Meinungsfreiheit online einzuschränken" stellte Aubrey Chikungwa, Leiter des Media Instituts of Southern Africa in Malawi, fest. "Deshalb ist es so wichtig, starke zivilgesellschaftliche Organisationen zu haben, die ihre Regierungen in die Verantwortung nehmen und dafür sorgen, dass die Bürger ihre Rechte kennen und diese auch einfordern".

Menschenrechte und Internet

Derzeit wird in vielen Ländern Afrikas über neue Cyber Security- und Datenschutzgesetze diskutiert; die Medien- und Telekommunikationsgesetzgebung wird an die Anforderungen des Internetzeitalters angepasst. Dies birgt Chancen, aber auch Gefahren. Im südlichen Afrika unterstützt die DW Akademie das regionale Media Institute of Southern Africa (MISA) bei der Stärkung von Knowhow rund um das Thema Internet Governance, der Entwicklung einer Strategie und der Vernetzung zwischen Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Medien.

In der neuen Agenda für nachhaltige Entwicklung haben die Vereinten Nationen das Ziel fixiert, "den Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnik deutlich zu erhöhen und universellen, erschwinglichen Zugang zum Internet in den am wenigsten entwickelten Ländern bis zum Jahr 2020 anzustreben". Das werde jedoch nur gelingen, wenn die betroffenen Länder in den Dialog auch einbezogen werden, so Lorena Jaume-Palasí, Associate Researcher beim iRights.Lab und Mitorganisatorin des Workshops: "Wenn dieses Ziel in nur fünf Jahren erreicht werden soll, müssen afrikanische Stimmen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik bei den Debatten über Internet Governance stärker vertreten sein und ihren Anliegen Gehör verschaffen können."

Autorin: Barbara Gruber

Artikel zuerst veröffentlich am 19.11.2015 auf www.dw.com

04.11.15 Rückblick: Veranstaltung zu den Chancen und Risiken von Gesundheitstracking am 30. September 2015 in Berlin

Die sechste öffentliche Veranstaltung im Projekt "Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?" war dem Thema Big Data im Gesundheitswesen gewidmet. Unter dem Titel "Treuer Assistent oder Trojaner am Körper? – Wie Gesundheitstracking unseren Alltag verändert" diskutierten Experten aus Wirtschaft, Politik, Medizin und Wissenschaft im Berliner Meistersaal miteinander. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf dem Thema Tracking mit Wearables und den damit verbundenen gesellschaftlichen Chancen und Risiken.

Oliver Schenk, Abteilungsleiter G "Grundsatzfragen der Gesundheitspolitik, Telematik" des Bundesministeriums für Gesundheit, wies in seinem Grußwort auf das große Potential einer stärkeren Vernetzung der Gesundheitsdaten hin. Ein erhöhter Informationsaustausch würde die Behandlungsmethoden verbessern. Eine umfassende Digitalisierung im Bereich Gesundheit sei daher auch ein wichtiges politisches Ziel. Die Probleme, die durch die Vernetzung zum Beispiel im Bereich des Datenschutzes entstünden, müssten im Dialog mit allen Interessensgruppen gelöst werden. Hier nannte Schenk das E-Health-Gesetz, das die nötigen Voraussetzungen für eine sichere digitale Kommunikation im Gesundheitswesen schaffe.

Oliver Schenk

Grußwort: Oliver Schenk, Abteilungsleiter G "Grundsatzfragen der Gesundheitspolitik, Telematik" des Bundesministeriums für Gesundheit

Telematik und e-Tampon – Beiträge aus Politik, Ärzteschaft und Wirtschaft

Matthias Kammer, Direktor, Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im In

Begrüßung und Einführung: Matthias Kammer, Direktor, Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet

Dr. Franz Bartmann stellte in seiner Keynote heraus, dass die Nutzung von Gesundheitsdaten in vielen Bereichen der Medizin große Vorteile hervorbringen könnte. So wäre es möglich, über bestimmte Datenzusammenhänge neue Erkenntnisse über die Entstehung von Krankheiten zu ermitteln und zudem die individuelle Behandlung von Patienten zu verbessern. Der Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein und Vorsitzende des Ausschusses "Telematik" der Bundesärztekammer kritisierte die allgemeine Skepsis und Unsicherheit vieler Ärzte gegenüber der Vernetzung von Gesundheitsdaten. Das größte Risiko bestehe darin, dass die Chancen von Big Data nicht wahrgenommen würden. Dr. Bartmann wies allerdings auch darauf hin, dass die Nutzung von Big Data in der Medizin die Gesellschaft vor ethische Herausforderungen stellen würde. So könnten durch bestimmte Muster in Big Data-Analysen Wahrscheinlichkeitsaussagen getroffen werden, die für ausgewählte Gruppen Krankheiten vorhersagen. Diese würden eventuell zwar gar nicht auftreten, die Vorhersagen hätten aber dennoch negativen Einfluss auf diesen Personenkreis – etwa durch Ängste oder Verhaltensänderung. Hier sei ein gesellschaftlicher Dialog über die Grenzen der Big Data-Analysen, Korrelationsaussagen und Prognosen notwendig.

Franz Bartmann

Keynote "Big Data in der medizinischen Praxis – Die Zukunft hat bereits begonnen": Dr. Franz Bartmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein und Vorsitzender des Ausschusses „Telematik“ der Bundesärztekammer

Ein Ring, der beim Eingang von E-Mails am Finger vibriert, ein Babybody mit Sensor, der vor dem plötzlichen Kindstod warnt, ein Wearable als Verhütungsmethode – in seiner Keynote stellte Stephan Noller die neuesten Geräte vor. Der Gründer und Geschäftsführer der ubirch GmbH betonte neben dem praktischen Nutzen der Wearables vor allem auch gesellschaftliche Risiken. So entstünden zum einen dann Probleme, wenn die Anbieter nicht sensibel mit den Daten umgingen und diese an Dritte weitergeben würden. Zum anderen bestehe die Gefahr, dass wichtige Grundsätze wie etwa die Datensparsamkeit zum Beispiel bei Krankenkassen unterlaufen würden. Eine Benachteiligung in Versicherungstarifen auf der Grundlage von Gesundheitsdaten käme einer Endsolidarisierung der Gesellschaft gleich. Daher sei eine umfassende Diskussion über die Regeln und Werte, die im Zuge der Digitalisierung erhalten bleiben sollten, besonders wichtig, so der Unternehmer.

Stephan Noller

Keynote "Tracking mit Wearables: Die (all)täglichen Datensammler": Stephan Noller, Gründer und Geschäftsführer der ubirch GmbH

Medizinischer Sicherheitsgewinn oder gesellschaftliches Gerechtigkeitsproblem?

Podiumsdiskussion "Gläserner Patient oder Revolution in der Gesundheitsvorsorge?

Podiumsdiskussion "Gläserner Patient oder Revolution in der Gesundheitsvorsorge?": Dr. Franz Bartmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein und Vorsitzender des Ausschusses „Telematik“ der Bundesärztekammer; Prof. Dr. Dagmar Borchers, Professorin für Angewandte Philosophie an der Universität Bremen; Peter Schaar, Vorstand der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz (EAID); Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin Initiative D21 e.V.; Burkhard Dümler, Director Development Digital Sports adidas group; Kai Burmeister, Teamleiter Versorgung-Verträge AOK Nordost (v.l.n.r.)

Die anschließende Podiumsdiskussion zeigte konträre Meinungen zum Thema Wearables. Burkhard Dümler, Director Development Digital Sports der adidas group, stellte eine erhöhte Nachfrage nach Selbstvermessung und Wearables fest. Den Kunden sei es nicht nur wichtig, ihre sportliche Leistung zu kontrollieren. Besonders gefragt seien Wearables, die den gesamten Alltag umfassend messbar machten. Prof. Dr. Dagmar Borchers, Professorin für Angewandte Philosophie an der Universität Bremen, kritisierte diese Entwicklung und hob hervor, dass die ständige Selbstvermessung die bereits bestehende Leistungsgesellschaft noch weiter verstärken würde. Dem setzte Dr. Bartmann entgegen, dass das Self-Tracking die Selbstverantwortung und Souveränität des Einzelnen fördern würde und bei Risikopatienten einen Sicherheitsgewinn bewirken könne. Kai Burmeister, Teamleiter Versorgung-Verträge AOK Nordost, betonte, dass die  Nutzung von Wearables darüber hinaus einen gesundheitspräventiven Charakter hätte. Dies sei auch der Grund, warum Krankenkassen zunehmend selbst Gesundheitsapps anbieten und fördern würden. Peter Schaar, Vorstand der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz (EAID), kritisierte, dass gar nicht erwiesen sei, ob Self-Tracking überhaupt gesünder machen würde. Darüber hinaus erhielten die Anbieter mancher Wearables schon beim Verkauf einen Freifahrtschein für die Nutzung und Weitergabe der Daten ihrer Käufer. Schaars Forderung nach mehr Datensicherheit in diesem Zusammenhang stimmten die anderen Diskutanten zu.

Philipp Otto

Begrüßung: Philipp Otto, Projektleiter „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“, Gründer iRights.Lab 

Die Veranstaltung hat insgesamt gezeigt, dass die Digitalisierung im Bereich Gesundheit große Potentiale bietet. So herrschte weitgehend Einigkeit darüber, dass Big Data in der Medizin große wissenschaftliche Fortschritte, aber auch eine bessere Versorgung des einzelnen Patienten und ein effektiveres Gesundheitssystem hervorbringen könnte. Die private Nutzung von Wearables und Trackingmethoden wurde unterschiedlich bewertet. Die von Noller und Borchers aufgeworfene Befürchtung, dass der Einsatz von Big Data im Gesundheitsbereich langfristig auch zu einem Gerechtigkeitsproblem führen könnte und daher eine grundsätzliche gesellschaftliche Debatte notwendig sei, fand auch die Zustimmung der anderen Diskutanten.

 

Fotos: Tom Maelsa

 

Auf der Webseite des DIVSI finden Sie eine Zusammenfassung, Aufzeichnungen der Beiträge sowie kurze Interviews mit den Sprechern der Veranstaltung.

Einen Bericht zur Veranstaltung finden Sie bei heise online und bei der Ärzte Zeitung online. Einige Sprecher der Veranstaltung kommen in einem Beitrag auf tagesschau.de zu Wort.

Das iRights.Lab realisiert das Projekt "Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?" im Auftrag des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Nachdem im ersten Projektteil die grundsätzliche Frage erörtert wurde, ob ein Digitaler Kodex fehlende soziale Normen im Internet etablieren kann, steht nun eine Konkretisierung anhand des Themenbereichs "Big Data" im Mittelpunkt.

Weitere Informationen zum Projekt: www.divsi.de/projekte/digitaler-kodex

Informationen zum Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI): www.divsi.de/ueber-uns

07.09.15 Wearables – Chance für die Gesundheit oder Invasion des Privatlebens?

Immer mehr Menschen tragen Wearables am Körper und lassen so eine Datensammlung sehr persönlicher Natur zu. Es stellen sich wichtige Fragen zum Umgang mit diesen Daten und den daraus gewonnenen Erkenntnissen.

Wir laden Sie dazu ein, diese und weitere Fragen am 30. September 2015 im Berliner Meistersaal (Köthener Straße 38, 10963 Berlin) gemeinsam mit hochrangigen Fachleuten zu erörtern und freuen uns auf Ihre Beteiligung an der Diskussionsveranstaltung.

Die öffentliche Veranstaltung ist Teil der zweiten Phase des Projektes "Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?" mit dem Themenschwerpunkt "Big Data"

Informationen zum Programm finden Sie hier.
Um Anmeldung wird gebeten.

 

01.09.15 Rückblick: Öffentliche Diskussionsveranstaltung „Vernetzte Mobilität – Erweiterung der persönlichen Autonomie oder Eingrenzung der Privatsphäre?“

Chancen und Risiken vernetzter Mobilität – darüber sprachen Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft am 25. Juni 2015 in der Stuttgarter Phoenixhalle. Die fünfte Veranstaltung im Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“, das das iRights.Lab in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) durchführt, thematisierte damit den Einsatz von Big Data im Kontext von selbstfahrenden Autos, Verkehrsleitsystemen sowie der Sammlung und Nutzung dabei anfallender Daten.

Winfried Hermann, Minister für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg, betonte in seiner Begrüßung die Rolle der Politik. Sie müsse hierbei nicht nur Daten schützen, sondern auch dafür Sorge tragen, dass sie nicht zum reinen Selbstzweck gesammelt werden. Dem Gemeinwohl komme dabei die Reduktion von Unfällen und Klimaschäden besonders zugute.

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Grußwort: Winfried Hermann, Minister für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg

Innovationschancen

Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, erklärte in seiner Keynote, dass jeder siebente Arbeitsplatz in Deutschland von der Automobilindustrie abhängt. Folgerichtig also, dass Innovationschancen genutzt werden müssen und das Investitionsvolumen in diesem Bereich bereits massiv durch das Bundesministerium erhöht worden ist. Barthle nannte die Verminderung von Gefahrpotentialen und die Erhöhung der Verkehrseffizienz als positive Effekte einer erhöhten Technologieoffenheit.

Norbert Barthle

Keynote: Wie sieht die Zukunft der Mobilität aus? Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur

Daimler-Zukunftsforscher Alexander Mankowsky sah in der Digitalisierung der Mobilität großes Potential zur Veränderung der Gesellschaft. Debatten darüber, ob Automatisierung und Vernetzung gesellschaftlich erstrebenswert sind, müssten unbedingt geführt werden, denn die technischen Grundlagen seien oftmals schon gegeben. Fairness, Transparenz und Kommunikation – für Mankowsky Grundpfeiler bei der Entwicklung von Lösungen zur Integration technischer Automatiken in die soziale Welt des Menschen.

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Begrüßung: Philipp Otto, Projektleiter Digitaler Kodex und Partner beim iRights.Lab

Matthias Kammer

Begrüßung und Einführung: Matthias Kammer, Direktor des Deutschen Instituts für Sicherheit und Vertrauen im Internet (DIVSI)

Prof. Dr. Nikolaus Forgó vom Institut für Rechtsinformatik der Leibniz Universität Hannover kritisierte in seiner Keynote nicht nur den Herrschaftsverlust bei Gratisdiensten („If the product is for free, you are the product“), sondern auch den wenig definierten Begriff der „personenbezogenen Daten“. Es sei beispielsweise nicht klar, ob massenhaft gesammelte Geodaten dazu gehören oder nicht.

Prof Dr Nikolaus Forgo

Keynote: Was bedeutet die digitale Revolution für den Individualverkehr der Zukunft? Prof. Dr. Nikolaus Forgó, Institut für Rechtsinformatik, Leibniz Universität Hannover

Big Data und Mobilität

Moderiert von Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21 e.V., fokussierte die anschließende Podiumsdiskussion insbesondere auf die Auswirkungen von Big Data im Zusammenhang mit Mobilität. Ulrich Chiellino, Leiter Interessenvertretung Verkehr des ADAC e.V., stellte die massenhafte Sammlung von Daten in Frage und bestärkte die Entscheidungsfreiheit des Nutzers. Jörg Klingbeil, Landesbeauftragter für den Datenschutz Baden-Württemberg, stimmte dem zu. Es müsse möglich sein, ohne Benachteiligung – beispielsweise im Versicherungsfall – „datenfrei“ Auto zu fahren. Dagegen forderte Ivo Körner, Geschäftsführer Vertrieb Branchenkunden IBM Deutschland GmbH, eine intelligente Abwägung zwischen dem Schutz des Einzelnen und dem gesellschaftlichen Nutzen.

DiskussionsPanel01

Podiumsdiskussion: Mobile Welt – Wem nützt Big Data? Jörg Klingbeil, Alexander Mankowsky, Lena-Sophie Müller (Moderation), Ivo Körner, Ulrich Chiellino (v.l.n.r.)

Technologieoffenheit und Vertrauen

Zum sinnvollen Umgang mit Big Data war sich das Podium schlussendlich einig: Obgleich Wahlmöglichkeiten wichtig sind, sollte ein offener Umgang mit vernetzten Systemen, die einen gesellschaftlichen Nutzen bringen, angestrebt werden. Hierbei sei es zwingend notwendig, bisherige rechtliche Regelungen wie etwa das Datenschutzrecht zu überarbeiten – auch hier sind innovative Ansätze gefragt.

Schlussendlich kommt es darauf an, das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer zu haben. Diese müssten verstehen, was mit ihren Daten passiert. Deshalb sollte Misstrauen durch Informationen und Mitgestaltungsmöglichkeiten aktiv entgegengewirkt werden.

 

Fotos: Stefan Zeitz  

 

Auf der Webseite des DIVSI finden Sie eine Zusammenfassung, Aufzeichnungen sowie kurze Interviews mit den Sprechern der Veranstaltung.

Auch die Stuttgarter Zeitung hat ausführlich über die Veranstaltung berichtet.

Das iRights.Lab realisiert das Projekt "Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?" im Auftrag des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Nachdem im ersten Projektteil die grundsätzliche Frage erörtert wurde, ob ein Digitaler Kodex fehlende soziale Normen im Internet etablieren kann, steht nun eine Konkretisierung anhand des Themenbereichs „Big Data“ im Mittelpunkt.

Weitere Informationen zum Projekt: www.divsi.de/projekte/digitaler-kodex

Informationen zum Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI): www.divsi.de/ueber-uns